Montag, 30. Dezember 2013

Gefangenschaft in Südtirol - Getrübte Weihnachtsfreuden durch schlimme Zahnprobleme



Doch leider sollte mir die ganze Vorweihnachtsfreude und beinahe auch die ganze Weihnachtsfreude völlig verdorben werden. Mitte Dezember bekam ich Zahnschmerzen, ausgerechnet so am 13. ging es los. Nun kam zwar in gewissen Zeitabständen ein Zahnarzt mit einem feudalen rollenden Behandlungszimmer in einem Lkw. zu uns herauf. 
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Donnerstag, 19. Dezember 2013

Freie Presse 19.12.2013 - Das Weihnachtsstück "Das Spiel vom Weihnachtsland" erlebte im Dezember vor 65 Jahren an der Schule Gesau seine Uraufführung. Das Stück stammt von dem Glauchauer Autor Hans Fischer, der damals Lehrer an der Schule war.

http://www.freiepresse.de/LOKALES/ZWICKAU/Glauchauer-weckt-Weihnachtsfreude-artikel8647037-1.php

Glauchauer weckt Weihnachtsfreude

Die Uraufführung kurz nach dem Zweiten Weltkrieg war nicht einfach. Trotzdem wurde sie ein großer Erfolg.

Glauchau. Das Weihnachtsstück "Das Spiel vom Weihnachtsland" erlebte im Dezember vor 65 Jahren an der Schule Gesau seine Uraufführung. Das Stück stammt von dem Glauchauer Autor Hans Fischer, der damals Lehrer an der Schule war.
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Sonntag, 8. Dezember 2013

Gefangenschaft in Südtirol - weitere Advents- und Weihnachtsvorbereitungen


Als der Schriftleiter der „Heimat“ mich auch um Prosabeiträge bat, faßte ich es in die Kurzerzählung „Einer von uns“, als das Erlebnis eines erzgebirgischen Menschen, und als es an einem der nächsten Tage zu schneien begann …..
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Mittwoch, 4. Dezember 2013

Gefangenschaft in Südtirol - Der 1. Advent und Weihnachtsvorbereitungen



Endlich bekamen wir Ruhe vor der Plage, das war, als der erste Frost die Schlammfurchen der Lagerstraße zu Miniatur-Dolomiten erstarrte, als in den entlaubten Bäumen der erste Rauhreif sein eisiges filigran zeichnete:
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Sonntag, 24. November 2013

Gefangenschaft in Südtirol - Das liebe Geld, Skorpione und neue Gedichte



Inzwischen war es uns zu dumm geworden, dauernd ohne Geld zu sein, während die Kraftfahrer und Schlosser allerhand zu Moneten machten, mindestens ihre handwerkliche Geschicklichkeit und Arbeitskraft. Ernst P. unternahm das Wagnis, mit ein paar funkelnagelneuen Klamotten, Schlosseranzügen u.ä. sich im Abenddämmer aus dem Lager zu schleichen. 
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Montag, 4. November 2013

Gefangenschaft in Südtirol - Chorfeier, Lagerhochschule, Sport und allerlei Späße




Das Erlebnis (Lagerausflug auf Gantkofel und Penegal) fand zwar dichterisch keinen Niederschlag. Dafür war ich noch nicht fruchtlos. Ich gestaltete eine Chorfeier, indem ich mich mühte, für all die von uns gesungenen Lieder überleitende Texte zu schaffen. Unter der Hauptüberschrift “Von deutscher Seele” deutete ich die einzelnen Gesänge als Abbilder der deutschen Innigkeit, der Heimatliebe, der Liebestreue und -freude und des Liebesleides und schließlich fand ich damit hohes Lob, und die Vorbereitungen gingen mit neuem Schwung weiter.
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Donnerstag, 31. Oktober 2013

Gefangenschaft in Südtirol - Lagerausflug auf Gantkofel und Penegal



Ein Glanz- und Höhepunkt dieser Wochen war ein großer Lagerausflug, also eine ganz seltene Angelegenheit für ein Gefangenenlager, die wahrscheinlich nur durch die Generosität der Engländer möglich wurde. Genug - am Sonntag, dem 7. Oktober wurde das ganze Lager auf Lkw.‘s verladen, etwa fünf bis sieben große Wagen, und dann ging es in der lauen südlichen Oktoberluft dem Mendelgebirge entgegen. Festlich brausten unsere Wagen dahin, durch Girlan, durch Eppan, St. Pauls zu und weiter. Der Wind pfiff und durch die Haare, und wir waren guter Dinge; denn soweit wir schauten und suchten, es war keine Bewachungsmannschaft zu sehen. 
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Dienstag, 1. Oktober 2013

Gefangenschaft in Südtirol - Wechsel von amerikanischer in englische Gefangenschaft!



Ende September wurden die Ami-Wachen in ganz Südtirol von den Tommys, den Engländern abgelöst. Wir bekamen eine ganz feine Sorte von britischen Militärs: King’s Own Royal Regiment, “des Königs eigenes königliches Regiment”! Also eine Art Leibgarde. Die braven Burschen zeichneten sich durch ihr weißes Lederzeug aus, um das wir sie nicht gerade beneideten, wenn wir an unseren eigenen Putz- und Flimmerstunden dachten. 
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Sonntag, 8. September 2013

Gefangenschaft in Südtirol - Gedichte und schöne Erlebnisse





Das Ereignis des Abziehens der Weiblichkeiten aus unserem Lager gab der Gerüchtemacherei neuen Auftrieb. Aha, sagte das Lagergerücht, man will uns “verschaukeln”, wir wollen zur Zwangsarbeit nach Frankreich - da sollen die “Weiber” nicht mit! - Es gab also immer etwas zu ängstigen. Aber wie gesagt, ich verstand den “Gemütszustand einzustellen”. Und als der Sonntag wieder nahte, mußte ich an unseren schönen Montiggl-See denken, den uns die Wache wahrscheinlich wieder vermiesen würde. So hielt ich mir seine Schönheiten vor und im Gedichte fest.
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Montag, 2. September 2013

Heute, am 101. Geburtstag von Hans Fischer, seine Erlebnisse zum 6. und letzten Geburtstag in Uniform

Inzwischen nahte mein Geburtstag, der “sechste in Uniform”. Es sollte der stillste Geburtstag meines Lebens werden. Zwar konnte ich mir Paketen, ja selbst einer kärglichen Nachricht aus der Heimat keinesfalls rechnen. In diesem Sinne war meinen Geburtstagsgedanken ein tüchtiger Schuß Wehmut beigemischt. Immerhin hoffte ich doch wenigsten, ein Quantum Wein zu ergattern, um mit den Kameraden feiern zu können. 
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Montag, 26. August 2013

Gefangenschaft in Südtirol - Chorsingen, Mücken, Weinernte und ein neues Gedicht



In diesen Tagen erinnerte ich mich wieder einmal meines kleinen ”Luginsland”, den frontbewährten Photoapparat, auf dem noch vier Aufnahmen zu verknipsen waren. Die Weinberge, reifende Trauben in Großaufnahme, die Lagerstraßen und die Aussichten hatten mir es besonders angetan. 
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Donnerstag, 8. August 2013

Gefangenschaft in Südtirol - Sommerfreuden und künstlerische Tätigkeiten


Bei uns indessen wurde es wieder warm, sehr warm, und wir rüsteten uns zu einem neuerlichen Besuche des Montiggl-Sees. Mir war bei den letzten Badetagen das Schwimmen doch ein bißchen zu anstrengend vorgekommen. Man hätte sich auch einmal ganz gern völlig ruhig in das laue Wasser gelegt, statt immer zu strampeln und zu paddeln. Manche hatten es schon vorgemacht und hier beim Stabe hatte ich denn auch die Möglichkeit, mir einen riesigen Schwimmgürtel zuzulegen, nämlich den Schlauch eines Lkw-Reifens, ein Ding so groß wie eine ausgewachsene Hundehütte, ein kleines Schlauchboot, auf dem ich so sicher wie in Abrahams Schoß dahinzuplätschern gedachte. Allerdings waren dazu allerhand bettelnde Vorstellungen beim Lagerverwalter L. nötig, 
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Sonntag, 4. August 2013

Gefangenschaft in Südtirol - Juli und August 1945


Ein Trost in all jener Zeit war immer wieder die Freundschaft. Fast jeden Abend wanderten wir selbdritt durch die weitgesteckten Außenbezirke unseres Lagers und erfreuten uns des prachtvollen Landes, der wunderbaren Ausschau auf die Berge und Täler rings um uns. Immer wieder bezauberte uns die Gewalt der alpinen Natur, die ragenden Gipfel, Schlern, Weißhorn, Penegal, Gantkofel, aber auch die Kleinigkeiten: Oft saßen im Abendsonnenschein Eidechsen einer ganz zierlichen Art und Salamander auf den Steinen im Moose, und E. P. mußte von den ekelhaften giftigen Sandvipern zu erzählen, die jenseits der Etsch in den Wäldern ihr Domizil hätten. Oft und oft wanderten aber unsere Gedanken weiter. 
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Sonntag, 14. Juli 2013

Gefangenschaft in Südtirol - Sonnenfinsternis


Am 9. Juli wurde ich zum Kabelabbau kommandiert, und das war mir besonders lieb, als dieser Tag ein besonderes Ereignis versprach, nämlich eine 56%ige Sonnenfinsternis. Ich weiß nicht mehr, woher wir das Eintreffen dieser Naturerscheinung erfahren haben; denn Zeitungen hatten wir nicht im Lager. 
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Gefangenschaft in Südtirol - Schlachtfest und Baden im Kleinen Montigglsee


 Ich weiß nicht mehr, lag es an den Amis und ihren strengen Vorschriften oder war es um unserer eigenen Bequemlichkeit - kurz, eines Tages schritten wir zum Schlachtfest. Vielleicht fürchtete der Spieß auch, die Sau könnte im Erdstall verrecken oder vielleicht, er könnte um den Genuß kommen, da nun die Entlassungen tatsächlich anzulaufen ”drohten”. 
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Gefangenschaft in Südtirol - ein Loblied auf den Marklhof


Die beiden großen Erlebnisse, das Land von unserer Freundschaftsbank aus und der Wein Südtirols im 15000-Volt-Keller, aber ließen die Freude, ja, die Freude an unserer Gefangenschaft ziemlich klar in meinem Herzen werden. Aber wie alle diese überwältigenden Gefühle, gewannen sie erst Form, nachdem man ihrer Urheber entraten mußte. Trotzdem stehe das Loblied auf die Vorteile des Marklhof an dieser Stelle:

Gefangenschaft in Südtirol - Erlebnisse


Inzwischen schloß ich noch eine andere Freundschaft, oder wenigstens mehr Bekanntschaft, und die ging über den Gesang. Wir hatten einen Kompanieelektriker, ein ganz verrücktes Huhn, waschechten Berliner schon älteren Semesters, namens Otto. Wir nannten ihn nur Otto-Otto. Dem behagte nicht, in der Baracke mit den Kameraden zu wohnen und zu schlafen, vielmehr hatte er innerhalb des Lagers einen verlassenen Erdbunker gefunden und sich wohnlich eingerichtet. Unter ”wohnlich” verstand Otto-Otto vor allem eine riesige Schalttafel, von der aus er die Strombelieferung des Lagers regierte, d. h. nämlich, bei zu starker Belastung des kümmerlichen Netzes ”Stromsperre” veranstaltete.

Samstag, 13. Juli 2013

Kriegstagebuch - Eine Botschaft für die Nachwelt


Am 10. Juli war alles fertig und wir begaben uns an diesem schönen und sehr warmen Abend hinaus an unseren Platz. Außer der ”Capsula” und der Schnapspulle schleppten wir noch einen Handbagger und natürlich unsere Stöcke mit. In gewollt oder vielleicht auch gemacht feierlicher Stimmung wählten wir den rechten Platz, einige Schritte vor der Bank, und begannen zu graben und große Steine zusammen zu suchen.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Kriegstagebuch - Gefangenschaft in Südtirol - Freundschaften

In diesen Tagen erreicht uns aber auch ein bedeutsamer Befehl. Er besagte, daß nunmehr sämtliche Nazi-Hoheitszeichen, aber auch Orden und Ehrenzeichen, vor allem soweit sie das Hakenkreuz zeigten, zu verschwinden hätten. Nun, die ”Gake” am Uniformrock war rasch abgetrennt. Schwieriger war schon die Geschichte mit dem Koppelschloß und vor allem mit dem Verwundetenabzeichen; denn so sagte ich, das Ding ist keine Schande und ich habe keinen Grund zu verbergen, daß ich in dem Sauschlamassel von Kowel und ganz Rußland habe bluten müssen. Diese Gedanken schien dann auch die Amis zu bewegen; denn der Befehl wurde dahin gemildert, daß nur die Hakenkreuze zu verschwinden hätten. So standen wir denn einige Tage in unserer Werkstatt und feilten die Hakenkreuze aus dem Koppelschloß und dem Verwundetenabzeichen heraus. Da das mit dem Koppelschloß bei mir aber nicht so hinhaute, bastelte ich mir aus dem Blech einer Marschverpflegungsbüchse eine Verkleidung, die natürlich auch dilettantenhaft genug aussah. Später baute mir der Kompanie-Mechaniker ein ganz neues Koppelschloß aus Messing, das wirklich fein aussah.

Dienstag, 25. Juni 2013

Kriegstagebuch - Gefangenschaft in Südtirol - Fortsetzung

Die Besichtigungen waren uns unangenehm. Sie machten uns unsere Lage als unfreie Menschen nur zu deutlich. Oft brachten sie unfreiwillige Komik mit sich. Einmal besichtigte der Korporal der Lagerwache. Alles Verbotene war verkranicht. Nur die roten Fahnen, die wir in Schluderbach noch entnazifiziert hatten, lagen noch auf einem Wandbord. In letzter Sekunde noch wollte sie ein Kamerad ”wegschmeißen”. ”Nein”, sagte ich, ”das sollen unsere Badehosen werden, und da kann kein Ami was dagegen haben!” Die Besichtigung kam. Der Korporal war kaum eingetreten, als er schon mit Stirnrunzeln nach dem verpönten Rot zeigte; ”Fahne!” schrie er, ”Nazi - Hakenkreuz!” Nein sagten wir, Badehose! Aber er holte den Stoff doch herunter, rollte ihn auf und lachte. ”Ein Stück haben,”, radebrechte er, ”Schlips machen!” Wir ließen ihm das Vergnügen.

Sonntag, 23. Juni 2013

Kriegstagebuch - Gefangenschaft in Südtirol

Am Abend desselben Tages begann ein Gewitter heranzuziehen, und es war ein eigenartiger Anblick, dieses Naturschauspiel einmal von unserer Höhe aus erleben zu können. Im heimatlichen Flachlande gewohnt, die Gewitter  h e r a u f ziehen  zu sehen, wuchs es uns hier auf fast gleicher Höhe entgegen. Das weite Etschtal war wie eine Bühne, über der Vorhang um Vorhang herniederfiel, der strömende Regen. Ein Hügel, ein Gipfelhang nach dem anderen verschwand hinter den grauen Schleiern, und man konnte sich förmlich an den Fingern abzählen: Nun kommt das Mendelgebirge an die Reihe, jetzt der Hügel von St. Pauls und nun würden wir dran sein. Und dann platschte auch bei uns der Regen nieder, von der ausgedörrten Erde durstig aufgesogen, Blitz und Donner waren ein Schlag, so daß man sich rasch in die nun auch wohnlich gewordene Baracke  zurückzog. Die Fenster freilich mußten wir mit unseren Zeltbahnen verhängen, aber eine Tür war nun da, und seit heute morgen hatten wir auch elektrisches Licht. Ich flüchtete mich in mein Bett in der Stubenecke, im Oberstock wieder selbstverständlich, und ließ mich vom eintönigen Rauschen und Plauschen des Regens bald einlullen.

Freitag, 21. Juni 2013

Kriegstagebuch - Gefangenschaft in Südtirol - Im Weinberg vom Marklhof

Mir aber weitete sich wieder einmal die Brust vor den Wundern des Geschauten, von einem hohen Gefühl, der Wander- und Reisefreudigkeit verwandt, so stark und lebendig, daß es mich während unseres ganzen Aufenthaltes nicht verließ und wohl lebenslang in mir nachklingen wird. Südtirol, dachte ich, sagenhaftes Land, geschichtsträchtiger Boden - ich bin bei dir! Du hast mich aufgenommen. Und noch viel mehr rang es in meinem Inneren nach Worten, - Worten, die ich erst nacherlebend dieser Stunde geben konnte:

Dienstag, 18. Juni 2013

Kriegstagebuch - Gefangenschaft in Südtirol - Eppan/St. Pauls und Girlan/Marklhof

Am 1. Juni jedoch zog die Sonne wieder strahlend herauf und schickte die gewohnte südliche Wärme herab, so daß männiglich und auch weibiglich alle überflüssige Kleidung abwarf und möglichst wenig bekleidet herumspazierte. Die Nachrichtenhelferinnen standen in eleganten Luft- und Badeanzügen vor ihren Baracken am Waschfaß und feierten ein überschäumendes Waschfest. Aber ach, gerade sie hatten nicht mit der frommen strengen christkatholischen Bevölkerung gerechnet, die ja nicht nur von allen Seiten in die Winkel unseres Barackendorfes hereinschauen, sondern sogar hereinkommen konnte. Und gleich benachbart war ja das Krankenhaus, in dem katholische Nonnen ihres Dienstes wirkten. Da gab es einen Aufstand in der Bevölkerung.

Sonntag, 26. Mai 2013

Kriegstagebuch - 15. Kapitel - Gefangen

Wirf alles hinter dich
nach alter Landsknechtsweise!
Manch einem, der verblich
zur letzten großen Reise
half auch sein Bündel Sorgen
nicht auf ein bess’res Morgen.
Der Tod reißt alle Stränge,
und nichts ist mehr zu enge.
Sieh, was du heute hast!
Wirf alles hinter dich,
was da nur Sorg und Last!

Wirf alles hinter dich
nach alter Landsknechtsweise!
Verletzte dich ein Stich,
trugst du an saurem Schweiße,
was nützet alles Grämen,
willst du es mit dir nehmen?
Ein Hemmklotz ist’s, kein Segen,
und schützt dich nicht vor Schlägen.
Sieh, was du heute hast!
Wirf alles hinter dich,
was da nur Sorg und Last!

Wirf alles hinter dich
Nach alter Landsknechtsweise!
Zieh einen dicken Strich
und sieh, daß du mit Fleiße
dem Tage nur kannst leben.
Aufs Heute richt dein Streben;
das Morgen und das Gestern
sind graue Sorgenschwestern!
Sieh, was du heute hast!
Wirf alles hinter dich,
was da nur Sorg und Last!

Mittwoch, 22. Mai 2013

Kriegstagebuch - Abschied von Schluderbach - Wie geht es weiter?

Am nächsten Tag, Sonnabend, dem 26. Mai, gab es noch einmal pro Nase nicht weniger als 5 Stück Frontkämpferpäckchen aber auch die Nachricht, daß es nun am folgenden Sonntag wirklich und endgültig fortginge. Gegen Abend kam ein Kommando zurück zu uns, das Nachrichtengerät bei den Amis abgeliefert hatte. Ein dabei beteiligter  Kamerad bot mir eine ellenlange, fast hellblonde wohlgeformte Ami-Zigarre an, die man ihm dort geschenkt hatte. Das war denn nach der vielen Pfeifenraucherei wieder mal ein ganz besonderer Genuß, vor allem nach dem zahlreichen guten und fetten Essen, morgens, mittags und abends.

Montag, 13. Mai 2013

Kriegstagebuch - Weitere Erlebnisse in Schluderbach

Indessen lebten wir friedlich und lustig dahin, wenn auch unsere Gespräche oft recht zweifelhafter Natur waren. Aber es half ja alles nichts, und wir mußten uns in die Gegebenheiten schicken, wie sie waren. Wenn wir allerdings an die Heimat und unser künftiges Geschick dachten, half uns nur noch der Humor über das Mißliche unserer Situation hinweg. In diesem Humor lebten auch eine ganze Anzahl bunte Abende, die uns Angehörige der verschiedenen hier lebenden Einheiten boten. Meist waren es Berufskünstler, die nun ihren Witz sprühen ließen. Am festesten in der Erinnerung hafteten zwei Wiener Stimmungssänger mit Klampfe und Quetschkommode, die allerhand lustige Schnadahüpfeln und Bänkelsängereien zum Besten gaben.

Sonntag, 5. Mai 2013

Kriegstagebuch - Der Mai 1945 nach der Kapitulation

Beim nächsten Morgenappell kam wieder ein Stimmungsrückschlag. Der englische Rundfunk hat gemeldet, die gesamte deutsche Wehrmacht habe nun kapituliert. Der Spieß drückte als ziemlich sicher aus, wir kämen im Landmarsch weg, also „per pedes apostolorum”. O weh! Es gab mir gleich einen Stich durch die Narben meines Fußes, und ich bekam einfach ganz fürchterliche Angst vor der Zukunft.

Samstag, 4. Mai 2013

Kriegstagebuch - Der 4. und 5. Mai 1945

Am anderen Morgen, 4. Mai. Wie üblich versammeln wir uns auf unserem Korridor zum Appell, als wäre nichts gewesen. Die Kommandos klangen zwar friedlicher und weniger zackig, aber wir standen immerhin in Reih und Glied. Na, wenn schon! Der Chef, Oberleutnant Nobis, sprach uns in seiner kühlen, nichtsdestoweniger sympathischen Art an. Wir sollten die Ruhe nicht verlieren, sagte er. Unser Schicksal sei zwar noch völlig ungewiß, doch empfehle es sich keineswegs, etwa auf eigene Faust stiften zu gehen. Wir sollten an die uns ungewohnten Berge denken, an die immer noch möglichen Wetterunbilden - wir sollten uns vor Augen halten, daß der Einzelne im Haufen immer noch sicherer sei als auf sich selbst gestellt. Er gab uns keinen Trost und keine Hoffnung, aber Ruhe und Zuversicht. Immerhin rechneten wir damit, daß wir am nächsten oder übernächsten Tag in die Gefangenschaft, in irgendein riesiges Gefangenenlager abrutschen würden.

Freitag, 3. Mai 2013

Kriegstagebuch - Der 3. Mai 1945

Am anderen Morgen, dem 3. Mai, brummen wieder Flugzeuge am Himmel. Vorsichtshalber wird alarmiert, obwohl die meisten darüber lachen. Ich verflüchtige mich aber mit in den Wald. Und richtig …................oder fängt es wieder an zu schneien? Wir waren doch froh, daß die späte Winterherrlichkeit sich wieder verflüchtigt hatte Aber die flockigen Wolken kommen näher und entpuppen sich als Flugzettel. Sie geben uns endlich Gewißheit, wenigsten einigermaßen. Wir sollten abwarten, nicht fliehen. Die Übergabe erfolge in Bälde.
Nun ist es also doch Tatsache, wenigsten für unsere Südfront. Für uns war also der Traum eines Großdeutschen Reiches „von der Etsch bis an den Belt” und „von der Maas bis” womöglich an den Dnjepr oder die Wolga, bis an den Kaukasus und den Ural und noch wer weiß wie weit ausgeträumt. Vor allem aber war der verfluchte Militarismus zu Ende. Nun denn ade vor allem, du blöde Uniform-Vorschrift! Es war schönes Maiwetter, der zweite Frühling, den wir in diesem Jahre erlebten, also fort mit der Mütze. Barhäuptig erging es sich besser im Freien. Wozu noch den sinnlos zusammengeheftelten Kragen? Die berühmten Tropenhemden mit Handkragen hatten wir bereits, Schlipse waren auch vorhanden - also die ersten zivilen Ansätze ansetzen: Schlips, Kragen, offene Jacke! Und in die Hand den Spazierstock, kein Koppel mehr, die lange Hose im Bett „gebügelt” - wir wollten wieder einmal Menschen sein.
Die Vorgesetzten bekamen zunächst Fracksausen. Da waren die vielen gedruckten Vorschriften, der Schriftwechsel, militärischer „Geheimnisse” voll. Da waren die Waffen! Das Fracksausen steckte mich an. Beim Stabe brannten lustige Feuer. Das steckte auch uns an. Verbrennen, verbrennen, verbrennen!
„Herr Hauptwachtmeister, die Waffen - !?”
         Die Kompanie wurde zusammengetrommelt. Gewehre abgeben! Gasmasken abgeben! Pistolen abgeben!
Mit Wonne schmissen mir die Kameraden ihre Knarren vor die Füße, und ich hatte die Wirtschaft damit. Die Unteroffiziere zögerten, die Pistolen dazuzuwerfen. Es seien Eigentumswaffen, war ihre Ausrede.
Dann ging’s mit allem Papierkram ins Freie. Feuer in die Akten! Hei, gab das ein lustiges Geflamm. Ich rannte noch nach einigen Unterlagen herum - da rollte auf der Straße ein offener Omnibus. Verwegene Gestalten in Räuberzivil darin, Gewehre, Maschinenpistolen, Maschinengewehre vor sind und durchweg rote Halstücher mit toll geknoteten wehenden Schleifen.
       Partisanen, italienische Partisanen!!
       Heiliger Vater, - die kommen uns ausräubern, war mein erster Gedanke, und ich eilte, meinen Wehrmachtsschriftenkram völlig zu Asche zu machen. Zum Glück war meine Befürchtung unbegründet. Der Omnibus fuhr weiter.
Inzwischen machten wir uns mit dem Gedanken vertraut, in die Gefangenschaft zu kommen. Das war kein leichter Gedanke. Wo würde man uns hinbringen? Was würde uns blühen? Die nazistische Propaganda hatte uns ja Gefangenschaft in den schwärzesten Farben gemalt. Immerhin packten wir unsere Sachen, als sollte es nach Hause gehen, zu Fuß womöglich, wobei ich ängstlich an meinen zerschossenen Fuß denken mußte und an die uns umgebenden unwegsamen Berge.
Zittern vor Aufregung brachte der Spieß zwei oder drei lange Hakenkreuzfahnen: ”Schmeißt sie ins Feuer!”
        ”Ins Feuer?” zögerte ich und befühlte den verhältnismäßig guten Stoff. - ”Was wollt ihr denn sonst damit machen?” ”Badehosen!” antwortete ich, und mit Freudengejohle machten sich einige Kameraden mit an die Arbeit, die Hakenkreuze herauszutrennen. Lachend und erleichtert ließ uns der Spieß gewähren. Und obwohl wir nicht wußten, ob wir jemals in die Verlegenheit kommen würden, mit Badehosen baden zu gehen, freuten wir uns bei der Arbeit schon des Tages, an dem wir, die ganze Kompanie in roten Dreieckshosen, würden ins Wasser springen können. (Er kam!!)
Unter äußerer Ruhe glimmte im Haufen doch eine leichte Panik unter der Oberfläche. Am Abend kam sie zum Durchbruch. ”Die Amis kommen!” schrie einer im Korridor. ”Na und?” fragte ein kleiner gemütlicher, schon älterer Thüringer. ”Mensch” antwortete ihm einer, „die nehmen uns alles weg, Uhren und Ringe und Geld und Wertsachen -” Alles begann herumzurennen und zu verstecken. Am meisten die Unteroffiziere und Wachtmeister. Die hatten ja ihre Pistolen noch. Nun ging’s aber an ein Verkramen, daß es schon bald zum Lachen war. Ich sehe noch, wie die „beliebtesten” Wachtmeister eine Bodenluke entdeckten, oben, zu unseren Köpfen. Da wurden die Pistolen verkranicht. Mir wurde um meine Uhr angst. Na, am Ende des Korridors standen Hotelmöbel aufgestapelt, Betten und Nachttische. Ob in einem dieser, in der Schublade vielleicht die Uhr sicher lag? Oder im Strohsack des Bettes? Oder im Ofen?  Oder auf dem Dachbalken?
Ach, dachte ich, es ist nun, wie es ist, und wenn sie nichts finden, dann suchen sie erst recht - lassen wir ihnen ihren Spaß. Und nahm meine Uhr wieder zu mir. - Draußen in der dunklen Nacht rollte der lange amerikanische Wagenzug an. Wir sahen ihn nur an den Scheinwerfern. Ein Wagen hinter dem anderen, eine unendliche Menge. Sie kamen von rechts, nicht von Cortina, und schienen sich uns zu nähern. Da, hinter dem Monte Cristallo lag ein Lazarettort am Misurina-See, von dem aus bei uns das Kommen der Amerikaner angekündigt war. Aber - was war das? - an der Straßenkreuzung, unweit unseres Hotels, bogen sie nach rechts ab, nach Toblach hinein, und in einer halben Stunde war wieder Ruhe und wir konnten uns - zwar längst noch nicht wieder beruhigt - schlafen legen.

Mittwoch, 1. Mai 2013

Kriegstagebuch - Auf der Flucht im Pustertal, Bruneck und Schluderbach

Doch blieb zu müßigen Gedanken nicht viel Raum. Wir mußten trachten, weiterzukommen und womöglich Schluderbach noch heute zu erreichen. Das Brixener „Heldenklau-Erlebnis“ hatte uns hellhörig gemacht. „Wenn wir nur erst im Pustertal sind“, meinte Schnapshusar.
„Pustertal?“ - das klang romantisch, das klang irgendwie bekannt, irgendeine längst verstummte Saite wurde wach, und es roch ein wenig nach Druckerschwärze und Tintenfaß: Erinnerung aus meiner Schriftleiterzeit, Sonderbeilage „Reisen und Wandern“, mein bes. gern gepflegtes Ressort, es mußte etwas ausbündig Feines und Weltberühmtes sein, dieses Pustertal. Vorerst aber erfragten wir uns einen Wagen nach Bruneck.

Freitag, 29. März 2013

Kriegstagebuch - Flucht in die Alpen

So lagen wir also in unserem düsteren Bunker. Keiner sprach mehr ein Wort. Jeder war mit sich selbst mehr als genug beschäftigt und dem Gedanken: Wie kommen wir hier los? Militärischem Ermessen nach gab es kein Entrinnen. Irgendwann, irgendwie, irgendwo würde uns „Heldenklau“ ja doch wieder aufgreifen und in den brodelnden Topf der Front werfen. Wir waren nicht zum Leben da, sondern zum Verbluten - nicht zum Siegen, sondern zum Sterben herbefohlen. Aber konnte mit unseren faulenden Leibern ein Damm gegen die hereinbrechende feindliche Sturmflut errichtet werden?

Freitag, 15. März 2013

Kriegstagebuch - März/April 1945

Ein weniger angenehmer Dienst war die Bunkerwache, die nunmehr einsetzte. Da traf es mich auch öfter mit. Die Sache war die, daß in den Bunker, tief hinten hinein, die Vermittlung gebaut wurde. Komfortabel, kann ich nur sagen! Die Lehmwände wurden sogar mit Stoff bespannt, der Fußboden mit Brettern belegt, richtiger Dielung, und die ganze Geschichte überhaupt so hergerichtet, als wollte man sich für Monate und Jahre hier festsetzen. Für mich war die Sache insofern interessant, als hier auch einheimische Arbeiter eingesetzt waren. Da wir meist um die Mittagsstunde Luftalarm hatten, konnte ich sie öfter bei ihren gastronomischen Gepflogenheiten beobachten. Sie pflegten nämlich die berühmte Polenta zu essen. Das ist ein dicker steifer Pudding von Maismehl oder -grieß, von dem  sie schmale Scheiben abschnitten, auf lange Holzstäbe spießten und über einem offenen Feuer rösteten. Dazu wurde Landwein oder der unvermeidliche Grappa getrunken.

Dienstag, 12. März 2013

Kriegstagebuch - Fortsetzung (in Verona)

Indessen spielten mir mein Appetit und die „Kattunchristen“ einen üblen Streich. Das war am Freitag, den 23. Februar; denn das Datum muß festgehalten werden. Es gab gerade mein Lieblingsessen zu Mittag: Milchreis mit Zucker und Zimt. Ich aß gerade meinen zweiten Schlag, als die Sirenen zum Alarm aufheulten. Männiglich warf die Löffel weg und ging stiften. Bald saß ich allein; denn keineswegs wollte ich mir das Essen um die Ohren schlagen. Als der Teller geleert war, horchte ich nach draußen - friedliche Stille.

Sonntag, 3. März 2013

Kriegstagebuch - Fortsetzung

... Zunächst jedoch lud mich B. zum zusätzlichen Abendessen ein, Bratkartoffeln mit Beefsteaks, und ich bekam gleich einen Begriff davon, daß jetzt beim Stab das „Organisieren“ das „Hintenherumbeschaffen“ und die „Fettlebe“ großgeschrieben wurden. Man hätte auch sagen können: die „Korruption“. ...
Weniger angenehm war das Quartier. Die Mannschaften waren alle außerhalb des Stabgebäudes in Privathäusern untergebracht, und ich wurde auch in ein solches eingeschoben, allerdings einen ofenlosen Vorraum, der wie alle italienischen Wohnhäuser mit Steinfußboden begabt war. Und bei der herrschenden winterlichen Januar-Temperatur war das ein besonderes Fest. Ich fror gleich in der ersten Nacht wie ein Schneider. Und dann erschreckten mich die Abortverhältnisse. Das W.C. im Hause war unbrauchbar, und im Stabsquartiergarten befand sich lediglich ein französisches Steh-Clo, und das konnte mich gleich ordentlich erbosen!

Samstag, 23. Februar 2013

Aus dem Kriegstagebuch - die letzten Kriegswochen in Italien

Gen Italien!  
Im Rücken zwar eine mehr als gefährlich bedrohte Heimat, im Herzen aber ein festes Vertrauen zum allmächtigen Lenker der menschlichen Geschicke und vor mir die alte Straße deutscher Reichsherrlichkeit, die mir die wieder rege Phantasie mit Schwertgeklirr und Bannergeweh reisiger ritterlicher Scharen bevölkerte - so verabschiedete ich mich am Sonntag dem 20. Januar 1945 abends, bei ziemlicher Kälte von meinen Angehörigen auf dem verdunkelten Bahnhof meiner lieber Heimatstadt Glauchau. Wenn wir damals gewußt hätten, daß es länger als ein Jahr! - und welch ein notreiches Jahr!