Sonntag, 30. Dezember 2012

Jahreswende

Das neue Jahr mit seinem Schein
ging uns zur Weihenacht herein,
nun öffnet es die Hände,
und Tag für Tag fällt uns ein Los
aus seinen Fingern in den Schoß
bis an die neue Wende.

Verborgen noch ist unserm Sinn,
was es bewahrt, ob Notgewinn,
ob Glückes schwanke Freuden.
Es zeigt ein steinernes Gesicht
und lüftet seine Schleier nicht,
die Zukunft uns zu deuten.

Es siegt der Mensch, der ehrlich ringt,
drum, was das neue Jahr dir bringt,
nimm's selbst in deine Hände
und führ' dein Los, ob schwarz, ob weiß,
nicht achtend äußern Glanz und Preis
selbst an ein gutes Ende.

Hans Fischer
Glauchau, 15.12.1944 (fünf Wochen danach, am 20.1.1945 mußte unser Vater nach einem Heimaturlaub wegen deiner Verwundung wieder in den Krieg)
Notiz am Manuskript: "(wiederholte Aufzeichnung) veröffentlicht 1951 im 'Feierbuch der Schule' BRD"

Dienstag, 25. Dezember 2012

Einsame Krippe



            Du einsames Kindel
            Im einsamen Stall!
            Wer legt Dir die Windel,
            wer singt Dir mit Schall?
Wo ist deine Mutter? Wo bleibt deine Sippe?
Kein Mensch, der dir schüttelt das Stroh deiner Krippe?

            Zwei Engel, die fliegen
            sind plötzlich nun hier,
            zwei Engel - gestiegen
            vom Himmel zu dir.
Sie singen und beten am Krippelein dein -
Schon leuchtet viel heller dein himmlischer Schein.

            O, Seele, versenke
            dich tiefer und schau!
            Auch du bist, bedenke,
            oft einsam. Vertrau!
Kein Mensch ist so hilflos im wildesten Land,
weiß er, wie das Kind, sich in göttlicher Hand.


Hans Fischer
(geschrieben für Krippen-Figuren von Karl Max Dittmann. Da es in der DDR nur selten möglich war, Produkte der erzgebirgischen Volkskunst erwerben zu können und wegen des Wegganges von Dittmann aus der DDR konnte mein Vater nur diese drei Figuren kaufen. Er machte aus der Not eine Tugend und baute die äußere Hülle. Die stehenden Engel sind später in der DDR nach dem Dittmann-Vorbild gefertigt.)

Sonntag, 23. Dezember 2012

Kurrende

            Lichtaugen wie Schnüre
            der Abend ist spät,
            von Türe zu Türe
            ein Weihnachtslied geht.
Am Himmelszelt dunkeln die ewigen Sterne,
im Schnee drunten eine einsame Laterne.

            Fünf Herzen, fünf Kehlen
            in Frost, Schnee und Wind,
            es jubeln fünf Seelen
            vom himmlischen Kind
und glauben und wissen in dunkelster Zeit:
Harr aus, harre gläubig, das Heil ist nicht weit!

            Sie singen und schieben
            von Haus sich zu Haus,
            die Schneeflocken stieben,
            die Lampe geht aus.
Im Herzen jedoch heller Schein ihnen brennt.
So tappen sie heimzu: Advent ist, Advent!

Hans Fischer

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Engelspyramide


Diese Pyramide baute Hans Fischer als
Weihnachtsbaumersatz 1947 für die Engelskapelle
der Grünhainicher Firma Wendt&Kühn

Es geht ein lieblich Engelspiel
in feierlichem Kreise,
es schwingt sich lautlos um und um,
es wallt und dreht sich rings und stumm,
es kreist und wandelt sonder Ziel
in stillvergnügter Reise:
Knecht Rupprechts Leibtrabanten,
die Engelmusikanten.

Sechsfältig leuchtet Kerzenlicht
zu himmelblauen Flügeln,
es schimmert aus den Sternen Glanz,
es schwingt und treibt den frohen Tanz
von Engelwicht an Engelwicht
in weißen Wolkenhügeln.
Die Träger sind geschwungen -
gefror'ne Flammenzungen.

Und wenn es sich auch lautlos schwingt,
ein himmlisch Musizieren
von Saitenspiel und Glockenhall,
von Flöten-, Horn-, Posaunenschall
in wunderfrohe Herzen dringt,
ein neues Jubilieren
in altem Weihnachtsliede -
oh, Engelspyramide!

Hans Fischer

Sonntag, 16. Dezember 2012

Christkind im Walde

            Christkindel im Walde,
            Christkindel im Schnee,
            der Wind bläst so kalte,
            der Frost tut so weh.
Es frieren die Nase, die Hände, die Ohren,
es sind mir die Füße schier ganz abgefroren.

            Ich stehe im Dunkel
            Und fasse dich nicht -
            Da fällt aus Gefunkel
            der Sterne dein Licht
Und fällt in das Bäumchen, das grüne hinein,
verleiht meinem Herzen der Hoffnung ein’n Schein.

            Es wehet im Walde,
            es schneiet den Schnee,
            Christkindel, komm balde,
            nach dir ist mir weh!
Komm uns über Länder und Berge und Meer
und trage das Licht deiner Gnade daher.

Hans Fischer

Sonntag, 9. Dezember 2012

Engelspiel

Ich weiß ein neues Engelspiel
im Weihnachtszauber klingen:
Die Engel stehen still herum -
ist doch ihr Spiel nicht tot, nicht stumm,
es hört das Herz und hört soviel;
was Menschen innig singen,
kommt auch aus ihm geklungen:
"Es ist ein Ros entsprungen..."

O, wundersamer Himmelsklang
aus siebzehn Orgelpfeifen,
des Horns, der Flöte süßer Ton,
der Harfe Schlag - ! Dem Himmelssohn
die Engel zu dem Lobgesang
in Tast' und Saiten greifen,
im Hymnus auserkoren:
"Ein Kind ward uns geboren..."

Und blinken rings in stillem Kranz
der hellen Weihnachtskerzen
die zarten Röcklein weitgebauscht:
Wie froh und doppelt seelig lauscht
hinein in dieses Festes Glanz
das Glück aus Menschenherzen,
aus Träumen bunt und bunter:
"Oh Wunder über Wunder...!

Hans Fischer

Samstag, 1. Dezember 2012

ADVENT

Die Advents- und Weihnachtszeit war die liebste Jahreszeit unseres Vaters. Neben vielem gemeinsamem Musizieren und vor allem Singen mit der Familie und für die Kirche, war für ihn die Pflege von erzgebirgischen Weihnachtsbräuchen ein wichtiges Anliegen.
Seine Gefühle verarbeitete er immer wieder in Gedichten:

Advent

Wenn Flocken wirbeln im Advent,
in Stübchen still ein Lichtlein brennt,
von Räucherkerzeldurft umringt;
wenn leise, leise bald erklingt
ein innig Lied - dann ist's so weit,
hebt an der Liebe hohe Zeit.

Wenn um der Flocken frohen Tanz
sich nächtlich ringt ein heller Kranz
von Fenstern, weihnachtlich erhellt,
dann sinkt vom hohen Himmelszelt
ein Schimmer, macht die Herzen weit -
hebt an der Liebe hohe Zeit.

Wenn tief bis in die stille Nacht
der Menschen Fleiß noch emsig wacht,
wenn traumverloren lichter Schein
webt um die Schläfer groß und klein,
dann wird die Welt des Friedens weit -
hebt an der Liebe hohe Zeit.

Hans Fischer