Sonntag, 30. Dezember 2012

Jahreswende

Das neue Jahr mit seinem Schein
ging uns zur Weihenacht herein,
nun öffnet es die Hände,
und Tag für Tag fällt uns ein Los
aus seinen Fingern in den Schoß
bis an die neue Wende.

Verborgen noch ist unserm Sinn,
was es bewahrt, ob Notgewinn,
ob Glückes schwanke Freuden.
Es zeigt ein steinernes Gesicht
und lüftet seine Schleier nicht,
die Zukunft uns zu deuten.

Es siegt der Mensch, der ehrlich ringt,
drum, was das neue Jahr dir bringt,
nimm's selbst in deine Hände
und führ' dein Los, ob schwarz, ob weiß,
nicht achtend äußern Glanz und Preis
selbst an ein gutes Ende.

Hans Fischer
Glauchau, 15.12.1944 (fünf Wochen danach, am 20.1.1945 mußte unser Vater nach einem Heimaturlaub wegen deiner Verwundung wieder in den Krieg)
Notiz am Manuskript: "(wiederholte Aufzeichnung) veröffentlicht 1951 im 'Feierbuch der Schule' BRD"

Dienstag, 25. Dezember 2012

Einsame Krippe



            Du einsames Kindel
            Im einsamen Stall!
            Wer legt Dir die Windel,
            wer singt Dir mit Schall?
Wo ist deine Mutter? Wo bleibt deine Sippe?
Kein Mensch, der dir schüttelt das Stroh deiner Krippe?

            Zwei Engel, die fliegen
            sind plötzlich nun hier,
            zwei Engel - gestiegen
            vom Himmel zu dir.
Sie singen und beten am Krippelein dein -
Schon leuchtet viel heller dein himmlischer Schein.

            O, Seele, versenke
            dich tiefer und schau!
            Auch du bist, bedenke,
            oft einsam. Vertrau!
Kein Mensch ist so hilflos im wildesten Land,
weiß er, wie das Kind, sich in göttlicher Hand.


Hans Fischer
(geschrieben für Krippen-Figuren von Karl Max Dittmann. Da es in der DDR nur selten möglich war, Produkte der erzgebirgischen Volkskunst erwerben zu können und wegen des Wegganges von Dittmann aus der DDR konnte mein Vater nur diese drei Figuren kaufen. Er machte aus der Not eine Tugend und baute die äußere Hülle. Die stehenden Engel sind später in der DDR nach dem Dittmann-Vorbild gefertigt.)

Sonntag, 23. Dezember 2012

Kurrende

            Lichtaugen wie Schnüre
            der Abend ist spät,
            von Türe zu Türe
            ein Weihnachtslied geht.
Am Himmelszelt dunkeln die ewigen Sterne,
im Schnee drunten eine einsame Laterne.

            Fünf Herzen, fünf Kehlen
            in Frost, Schnee und Wind,
            es jubeln fünf Seelen
            vom himmlischen Kind
und glauben und wissen in dunkelster Zeit:
Harr aus, harre gläubig, das Heil ist nicht weit!

            Sie singen und schieben
            von Haus sich zu Haus,
            die Schneeflocken stieben,
            die Lampe geht aus.
Im Herzen jedoch heller Schein ihnen brennt.
So tappen sie heimzu: Advent ist, Advent!

Hans Fischer

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Engelspyramide


Diese Pyramide baute Hans Fischer als
Weihnachtsbaumersatz 1947 für die Engelskapelle
der Grünhainicher Firma Wendt&Kühn

Es geht ein lieblich Engelspiel
in feierlichem Kreise,
es schwingt sich lautlos um und um,
es wallt und dreht sich rings und stumm,
es kreist und wandelt sonder Ziel
in stillvergnügter Reise:
Knecht Rupprechts Leibtrabanten,
die Engelmusikanten.

Sechsfältig leuchtet Kerzenlicht
zu himmelblauen Flügeln,
es schimmert aus den Sternen Glanz,
es schwingt und treibt den frohen Tanz
von Engelwicht an Engelwicht
in weißen Wolkenhügeln.
Die Träger sind geschwungen -
gefror'ne Flammenzungen.

Und wenn es sich auch lautlos schwingt,
ein himmlisch Musizieren
von Saitenspiel und Glockenhall,
von Flöten-, Horn-, Posaunenschall
in wunderfrohe Herzen dringt,
ein neues Jubilieren
in altem Weihnachtsliede -
oh, Engelspyramide!

Hans Fischer

Sonntag, 16. Dezember 2012

Christkind im Walde

            Christkindel im Walde,
            Christkindel im Schnee,
            der Wind bläst so kalte,
            der Frost tut so weh.
Es frieren die Nase, die Hände, die Ohren,
es sind mir die Füße schier ganz abgefroren.

            Ich stehe im Dunkel
            Und fasse dich nicht -
            Da fällt aus Gefunkel
            der Sterne dein Licht
Und fällt in das Bäumchen, das grüne hinein,
verleiht meinem Herzen der Hoffnung ein’n Schein.

            Es wehet im Walde,
            es schneiet den Schnee,
            Christkindel, komm balde,
            nach dir ist mir weh!
Komm uns über Länder und Berge und Meer
und trage das Licht deiner Gnade daher.

Hans Fischer

Sonntag, 9. Dezember 2012

Engelspiel

Ich weiß ein neues Engelspiel
im Weihnachtszauber klingen:
Die Engel stehen still herum -
ist doch ihr Spiel nicht tot, nicht stumm,
es hört das Herz und hört soviel;
was Menschen innig singen,
kommt auch aus ihm geklungen:
"Es ist ein Ros entsprungen..."

O, wundersamer Himmelsklang
aus siebzehn Orgelpfeifen,
des Horns, der Flöte süßer Ton,
der Harfe Schlag - ! Dem Himmelssohn
die Engel zu dem Lobgesang
in Tast' und Saiten greifen,
im Hymnus auserkoren:
"Ein Kind ward uns geboren..."

Und blinken rings in stillem Kranz
der hellen Weihnachtskerzen
die zarten Röcklein weitgebauscht:
Wie froh und doppelt seelig lauscht
hinein in dieses Festes Glanz
das Glück aus Menschenherzen,
aus Träumen bunt und bunter:
"Oh Wunder über Wunder...!

Hans Fischer

Samstag, 1. Dezember 2012

ADVENT

Die Advents- und Weihnachtszeit war die liebste Jahreszeit unseres Vaters. Neben vielem gemeinsamem Musizieren und vor allem Singen mit der Familie und für die Kirche, war für ihn die Pflege von erzgebirgischen Weihnachtsbräuchen ein wichtiges Anliegen.
Seine Gefühle verarbeitete er immer wieder in Gedichten:

Advent

Wenn Flocken wirbeln im Advent,
in Stübchen still ein Lichtlein brennt,
von Räucherkerzeldurft umringt;
wenn leise, leise bald erklingt
ein innig Lied - dann ist's so weit,
hebt an der Liebe hohe Zeit.

Wenn um der Flocken frohen Tanz
sich nächtlich ringt ein heller Kranz
von Fenstern, weihnachtlich erhellt,
dann sinkt vom hohen Himmelszelt
ein Schimmer, macht die Herzen weit -
hebt an der Liebe hohe Zeit.

Wenn tief bis in die stille Nacht
der Menschen Fleiß noch emsig wacht,
wenn traumverloren lichter Schein
webt um die Schläfer groß und klein,
dann wird die Welt des Friedens weit -
hebt an der Liebe hohe Zeit.

Hans Fischer

Mittwoch, 28. November 2012

"Eine Liebeserklärung an Glauchau"

HEIMATSTADT

Auf sieben Hügeln wie Alt- Rom,
doch ohne seine Bauten,
nicht Engelsburg noch hoher Dom,
die tausend Jahre schauten.


Ein kleines Städtlein ist es nur,
mit Rathaus, Schloss, Fabriken,
verwischt ist der Geschichte Spur,
und doch kann es erquicken.


Was es an Gutem, Schlechtem hat,
man soll nicht daran klügeln,
es ist die liebe Heimatstadt
und liegt auf sieben Hügeln.


Hans Fischer

Samstag, 6. Oktober 2012

100. Geburtstag von Hans Fischer am 02.09. 2012

Veröffentlicht im Stadtkurier Glauchau,   20. Jahrgang I 2012 I 39. KW, Ausgabe 17 /2012, Erscheinungstag 24.09.2012, 20. Jahrgang I 2012 I 39. KW
Ausgabe 17/2012 Erscheinungstag 24.09.2, www. glauchau.de

Am Sonntag, dem 2. September jährte sich der Geburtstag des Glauchauer Schriftstellers, Heimatforschers und Lehrers Hans Fischer zum 100. Mal.
Viele Glauchauer kennen ihn noch aus der Schulzeit und haben meist ein positives Wort zu seiner Pädagogik bereit. Der Lehrerberuf war seine Berufung. Über Umwege und nur mit Behinderungen konnte er ihn ausführen.
Als er 1933 mit dem Pädagogik- Studium beginnen wollte, wären politische Zugeständnisse und ein Abrücken von seiner Position gegen die herrschende Partei nötig gewesen. Dieser Standpunkt war schon bei seinem Vater Rudolf Fischer der Anlaß für die Schulbehörde, ihn von der Stelle des Schulleiters an der Glauchauer Wehrdigtschule abzusetzen und in der Lehngrundschule als einfachen Lehrer einzusetzen.
So studierte Hans Fischer in Leipzig Volkswirtschaft, musste aber dieses Studium abbrechen, denn Bedingung für die Fortführung war der Beitritt in die SA. Glücklicherweise erhielt er gleich eine Stelle als Schriftleiter beim Glauchauer Tageblatt in Glauchau und in Leisnig.
Hier begann (oder war es schon schlummernd vorhanden?) seine Begabung für das geschriebene Wort zu wachsen und zu reifen. Diese Zeit währte nicht lange, der Krieg war ausgebrochen, schon Anfang 1940 wurde er eingezogen und musste nach einem Jahr Ausbildung in Meißen als Soldat in Russland kämpfen. Seine Erlebnisse hat er in einem umfangreichen Kriegstagebuch niedergeschrieben und dabei die beklemmenden Erlebnisse aufgearbeitet. 1944 erlitt er eine Verwundung am Fuß. Nach langem Lazarettaufenthalt hieß es dann Januar 1945 seiner Einheit zu folgen, die inzwischen in Italien in Verona stationiert war und bei Kriegsende in die Dolomiten flüchtete. Dort erfolgte auch die Gefangennahme der Kompanie. Bei aller Schönheit der Landschaft in Südtirol war es eine schwere Zeit, denn er hatte keinerlei Nachrichten von seiner Familie. Diese Sorge konnte selbst die schöne Lage des Gefangenschaftslager Marklhof im Südtiroler Eppan-Girlan nicht ausgleichen. Auch die Erlebnisse der Gefangenschaft hat er in einem Tagebuch niedergeschrieben und verarbeitet. Diese Niederschrift ist jetzt zu einer wichtigen Quelle für Historiker in Südtirol geworden.
Doch selbst das Glück der Heimkehr in die Heimat war überschattet von den Fragen, wie geht es weiter, was erwartet mich?
Und es ging weiter! Jetzt konnte er sich seinen Berufswunsch erfüllen und begann eine Ausbildung als Neulehrer. Sehr schnell mußte er den ersten Unterricht erteilen, denn es fehlten ja so viele Lehrer.
Allerdings dauerte es nicht lange und wieder setzten politische Behinderungen ein. Denn auch der Sozialismus war nicht seine Sache und passte gar nicht zur Lebensanschauung eines Christen.
So vertiefte er sich recht bald in sein eigentliches Lebensthema „Agricola – Glauchaus größter Sohn“.
In der Hausarbeit zur zweiten Lehrerprüfung beschrieb er für das Fach Heimatkunde Glauchaus die didaktischen Schritte des Lernens. Schon hier flossen seine Forschungsergebnisse zum Leben Georgius Agricolas mit ein.
Reich an Tiefen und Höhen begann das Jahr 1950 mit dem Heimgang seines Vaters (oben erwähnter Rudolf Fischer, dessen Vater Lehrer und Kantor in Niederlungwitz und Lobsdorf war). Es folgten die Lehrerprüfungen und im Sommer die Hochzeit mit Maria Köhler. Die nächsten vier Jahre waren geprägt von den Geburten seiner drei Kinder.
Dann begann die intensive Arbeit der Vorbereitung seines Traumes, einen biografischen Roman über Georg Bauer – Georgius Agricola – Glauchaus größten Sohn zu schreiben.
Die spärliche Aktenlage der Zeit um 1500 war eines der größten Probleme, wollte Hans Fischer doch die wenigen Nachrichten über Georg Bauer in das geschichtliche Umfeld des ausgehenden 15. Jahrhunderts einbetten und lebensnah gestalten.
Zehn Jahre dauerte die Fertigstellung, zu der auch die Suche nach einem Verlag zählte. 1964 erschien dann im Petermänken-Verlag Schwerin die erste Auflage seines biographischen Romanes „Georgius Agricola – Bilder aus dem Leben eines großen deutschen Humanisten“. Sie war schnell ausverkauft und wurde 1969 ein weiteres Mal aufgelegt. Die dritte und letzte Auflage gab sein Sohn Wolfgang Fischer 1994 anläßlich des 500. Geburtstags Agricolas in seinem Verlag, dem Convent-Verlag Quedlinburg heraus.
Das Schreiben gehörte zu den Beschäftigungen, mit denen Hans Fischer den Alltag in der sozialistischen Schule zu kompensieren versuchte. Es entstanden neben Spielen für die Schule, Krippenspielen und Kurzgeschichten zahlreiche Gedichte. Die Theaterstücke – oft für Kinder – durften nicht in der DDR erscheinen. Es fand sich dann die Möglichkeit des Druckes in der BRD unter dem Pseudonym Rudolf Otto.
Später verband er dann seine Liebe für klassische Musik mit der Tätigkeit der Rezensionen der besuchten Konzerte, die dann meist im „Sächsischen Tageblatt“ erschienen.
Die Verbindung zur „Druckerschwärze“, die sich an vielen Stellen seines Lebens zeigt, hat seinen Ursprung bei seinen Vorfahren. Seine Mutter Johanna geb. Kästner ist die Tochter des Waldenburger Druckereibesitzers Emil Hugo Kästner. Die Erinnerungen an seine Kindheit mit dem Großvater hat er auch an seine Kinder weitergegeben.
Die Liebe für die Musik führte zur organisatorischen Leitung des Alfred-Biefeld-Chores, der sich nach dem 2. Weltkrieg neu gründete, aber seine Wurzeln in der Glauchauer  Chorgesangsvereinigung hatte. Bei dieser Aufgabe war es ihm eine Freude, für die Weihnachtskonzerte des Chores Zwischentexte in Versform zu schreiben.
Pünktlich mit dem 65. Geburtstag beendete er seine berufliche Laufbahn. Jetzt hatte er Zeit, Erlebnisse und Episoden seines Lebens aufzuschreiben. Auch den Enkeln widmete er sich gern.
Am 25. November 1995, vier Tage nach dem 530. Todestag des von ihm so verehrten Georgius Agricola, vollendete sich sein Leben nach langer Krankheit. Er starb mit 83 Jahren.

Regina Winkler und Käthe Klappenbach


Samstag, 1. September 2012

100. Geburtstag am 2. September 2012

 

100. Geburtstag von Hans Fischer am 02.09. 2012

 

Am Sonntag, dem 2. September jährte sich der Geburtstag des Glauchauer Schriftstellers, Heimatforschers und Lehrers Hans Fischer zum 100. Mal.

Viele Glauchauer kennen ihn noch aus der Schulzeit und haben meist ein positives Wort zu seiner Pädagogik bereit. Der Lehrerberuf war seine Berufung. Über Umwege und nur mit Behinderungen konnte er ihn ausführen.

Als er 1933 mit dem Pädagogik- Studium beginnen wollte, wären politische Zugeständnisse und ein Abrücken von seiner Position gegen die herrschende Partei nötig gewesen. Dieser Standpunkt war schon bei seinem Vater Rudolf Fischer der Anlaß für die Schulbehörde, ihn von der Stelle des Schulleiters an der Glauchauer Wehrdigtschule abzusetzen und in der Lehngrundschule als einfachen Lehrer einzusetzen.

So studierte Hans Fischer in Leipzig Volkswirtschaft, musste aber dieses Studium abbrechen, denn Bedingung für die Fortführung war der Beitritt in die SA. Glücklicherweise erhielt er gleich eine Stelle als Schriftleiter beim Glauchauer Tageblatt in Glauchau und in Leisnig.

Hier begann (oder war es schon schlummernd vorhanden?) seine Begabung für das geschriebene Wort zu wachsen und zu reifen. Diese Zeit währte nicht lange, der Krieg war ausgebrochen schon Anfang 1940 wurde er eingezogen und musste nach einem Jahr Ausbildung in Meißen als Soldat in Russland kämpfen. Seine Erlebnisse hat er in einem umfangreichen Kriegstagebuch niedergeschrieben und dabei die beklemmenden Erlebnisse aufgearbeitet. 1944 erlitt er eine Verwundung am Fuß. Nach langem Lazarettaufenthalt hieß es dann Januar 1945 seiner Einheit zu folgen, die inzwischen in Italien in Verona stationiert war und bei Kriegsende in die Dolomiten flüchtete. Dort erfolgte auch die Gefangennahme der Kompanie. Bei aller Schönheit der Landschaft in Südtirol war es eine schwere Zeit, denn er hatte keinerlei Nachrichten von seiner Familie. Diese Sorge konnte selbst die schöne Lage des Gefangenschaftslager Marklhof im Südtiroler Eppan-Girlan nicht ausgleichen. Auch die Erlebnisse der Gefangenschaft hat er in einem Tagebuch niedergeschrieben und verarbeitet. Diese Niederschrift ist jetzt zu einer wichtigen Quelle für Historiker in Südtirol geworden. http://hans-fischer-glauchau-agricola.blogspot.com/2013/02/aus-dem-kriegstagebuch-die-letzten.html

Doch selbst das Glück der Heimkehr in die Heimat am 19. Mai 1946 war überschattet von den Fragen, wie geht es weiter, was erwartet mich?

Und es ging weiter! Jetzt konnte er sich seinen Berufswunsch erfüllen und begann eine Ausbildung als Neulehrer. Sehr schnell mußte er den ersten Unterricht erteilen, denn es fehlten ja so viele Lehrer.

Allerdings dauerte es nicht lange und wieder setzten politische Behinderungen ein. Denn auch der Sozialismus war nicht seine Sache und passte gar nicht zur Lebensanschauung eines Christen.

So vertiefte er sich recht bald in sein eigentliches Lebensthema „Agricola – Glauchaus größter Sohn“.

In der Hausarbeit zur zweiten Lehrerprüfung beschrieb er für das Fach Heimatkunde Glauchaus die didaktischen Schritte des Lernens. Schon hier flossen seine Forschungsergebnisse zum Leben Georgius Agricolas mit ein.

Reich an Tiefen und Höhen begann das Jahr 1950 mit dem Heimgang seines Vaters (oben erwähnter Rudolf Fischer, dessen Vater Lehrer und Kantor in Niederlungwitz und Lobsdorf war). Es folgten die Lehrerprüfungen und im Sommer die Hochzeit mit Maria Köhler. Die nächsten vier Jahre waren geprägt von den Geburten seiner drei Kinder.

Dann begann die intensive Arbeit der Vorbereitung seines Traumes – einen biografischen Roman über Georg Bauer – Georgius Agricola – Glauchaus größten Sohn zu schreiben.

Die spärliche Aktenlage der Zeit um 1500 war eines der größten Probleme, wollte Hans Fischer doch die wenigen Nachrichten über Georg Bauer in das geschichtliche Umfeld des ausgehenden 15. Jahrhunderts einbetten und lebensnah gestalten.

Zehn Jahre dauerte die Fertigstellung zu der auch die Suche nach einem Verlag zählte. 1964 erschien dann im Petermänken-Verlag Schwerin die erste Auflage seines biographischen Romanes „Georgius Agricola – Bilder aus dem Leben eines großen deutschen Humanisten“. Es war schnell ausverkauft und wurde 1969 ein weiteres Mal aufgelegt. Die dritte und letzte Auflage gab sein Sohn Wolfgang Fischer 1994 anläßlich des 500. Geburtstags Agricolas in seinem Verlag, dem Convent-Verlag Quedlinburg heraus.

Das Schreiben gehörte zu den Beschäftigungen, mit denen Hans Fischer den Alltag in der sozialistischen Schule zu kompensieren versuchte. Es entstanden neben Spielen für die Schule, Krippenspielen und Kurzgeschichten zahlreiche Gedichte. Die Theaterstücke – oft für Kinder – durften nicht in der DDR erscheinen. Es fand sich dann die Möglichkeit des Druckes in der BRD unter dem Pseudonym Rudolf Otto.

Später verband er dann seine Liebe für klassische Musik mit der Tätigkeit der Rezensionen der besuchten Konzerte, die dann meist im „Sächsischen Tageblatt“ erschienen.

Die Verbindung zur „Druckerschwärze“, die sich an vielen Stellen seines Lebens zeigt, hat seinen Ursprung bei seinen Vorfahren. Seine Mutter Johanna geb. Kästner ist die Tochter des Waldenburger Druckereibesitzers Emil Hugo Kästner. Die Erinnerungen an seine Kindheit mit dem Großvater hat er auch an seine Kinder weitergegeben.

Die Liebe für die Musik führte zur organisatorischen Leitung des Alfred- Biefeld- Chores, der sich nach dem 2. Weltkrieg neu gründete, aber seine Wurzeln in der Chorgesangsvereinigung hatte. Bei dieser Aufgabe war es ihm eine Freude, für die Weihnachtskonzerte des Chores Zwischentexte in Versform zu schreiben.

Pünktlich mit dem 65. Geburtstag beendete er seine berufliche Laufbahn. Jetzt hatte er Zeit, Erlebnisse und Episoden seines Lebens aufzuschreiben. Auch den Enkeln widmete er sich gern.

Am 25. November 1995, vier Tage nach dem 530. Todestag des von ihm so verehrten Georgius Agricola, vollendete sich sein Leben nach langer Krankheit. Er starb mit 83 Jahren.

 

Regina Winkler, geb. Fischer und Dr. Käthe Klappenbach, geb. Fischer

 

Vaters Lehrtätigkeit: 01. 06. 1946- 31.08.1948 Lehngrundschule
                                  01.09. 1948- 31.08.1950 Gesau
                                  01.09.1950- 31.08.1957 Lehngrundschule
                                   01.09.1957- 31.08.1958 4. Mittelschule (Weihnertschule)
                                    01.09.1958- 31.08.1959 Pesta
                                   01.09.1959- 31.08.1977 Lehngrundschule

Abitur Glauchau 1933
1. Lehrerprüfung 1948
2. Lehrerprüfung 1950

 

GEDICHTE aus der Gefangenschaft von Hans Fischer

Mit dem Schreiben von Gedichten versuchte Hans Fischer das Erlebte zu kompensieren. Das folgende Gedicht entstand Ende Mai 1945, zu Beginn der Gefangenschaft in Eppan-Girlan in Südtirol.

Wirf alles hinter dich
nach alter Landsknechtsweise!
Manch einem, der verblich
zur letzten großen Reise
half auch sein Bündel Sorgen
nicht auf ein bess’res Morgen.
Der Tode reißt alle Stränge,
und nichts ist mehr zu enge.
Sieh, was du heute hast!
Wirf alles hinter dich,
was da nur Sorg und Last!

Wirf alles hinter dich
nach alter Landsknechtsweise!
Verletzet dich ein Stich,
trugst du an saurem Schweiße,
was nützet alles Grämen,
willst du es mit dir nehmen?
Ein Hemmklotz ist’s, kein Segen,
und schützt dich nicht vor Schlägen.
Sieh, was du heute hast!
Wirf alles hinter dich,
was da nur Sorg und Last!

Wirf alles hinter dich
Nach alter Landsknechtsweise!
Zieh einen dicken Strich
und sieh, daß du mit Fleiße
dem Tage nur kannst leben.
Aufs Heute richt dein Streben;
das Morgen und das Gestern
sind graue Sorgenschwestern!
Sieh, was du heute hast!
Wirf alles hinter dich,
was da nur Sorg und Last!


Die Schönheit der Landschaft von Südtirol inspirierte ihn zu folgendem Gedicht:

Bozen, du rebenumkränzte Stadt,
Bozen zu unseren Füßen;
Südtirol, göttlichen Segens so satt,
Südtirol hebt an zu grüßen

Eisack und Etsch tief aus fruchtbarem Tal,
obenher luftige Warten,
Gipfel: der Schlern, Weißhorn, Penegal,
Zwergkönigs rotglüh’nder Garten - - -
Rings der Weinberge fruchttragende Pracht
Alle die Hügel ansteigend,
Obstbäume mit ihrer saftigen Tracht
Über die Trauben sich neigend. - - -
Schlösser und Burgen, geborsten und kühn,
nagenden Wettern zur Beute - - -
saubere Dörfer im fröhlichen Grün
mit vieler Kirchen Geläute - - -
Weitum dann, rötlich im Felsengewand,
strahlend von Schnees reinem Linnen,
Kränze und Mauern dem wehrlichen Land,
Hochgebirgs ragende Zinnen - - -

Südtirol, heilige Krone der Welt,
laß dich von Herzen begrüßen,
du hast gesegnete Lager bestellt,
Südtirol zu unseren Füßen!

Das Gefangenenlager befand sich in einem Weinberg, neben dem der Gasthof Marklhof lag. Das Gedicht ist (Zitat Hans Fischer) ein " Loblied auf die Vorteile des Marklhof an dieser Stelle"
Wo rauschend die Eisack der Etsch sich vermählt,
erhebt sich ein hügelnder Riese,
ein Weinberg, in Sommers Glut brünstig geschwelt,
ein Stück aus Herrgotts Paradiese,
Demant aus der Krone der fruchtbaren Welt,
so trägt er gedeihliches Fruchten,
des Übermaß himmelher über ihn fällt
in seine Gehege und Fluchten.

Dort hält des Geschicks unerbittliche Hand,
dort hält es uns doppelt gekettet:
In Feindes Gewalt, der uns jäh überwand,
und tief in die Reben gebettet,
im Weinberg, der uns aus dem frischgrünen Laub
verschämt fast in blutroten Zähren,
in schwellendem tröstendem Perlengetraub
reicht kirschgroß die saftigen Beeren.

Ach, war, die uns an dieses Eiland gespült, es nicht eine freundliche Welle,
ist, die uns dies‘ Sommers Brand köstlich gekühlt,
nicht göttlich, die rötlichte Quelle
im ragenden Hof, der den Berg gipfelnd krönt,
um den unsre Hütten sich drängen,
der Weinberg, der mit dem Geschick uns versöhnt,
der Sommertag in seinen Hängen - ?

Auch seine Wünsche an das Leben und die ihn oft überkommenden Depressionen fasste er in ein Gedicht:
Noch einmal des Lebens vielfältige Freuden
Im Fluge erfassen mit sehnender Hand,
von jeder ein einziges Fünklein erbeuten
zu einem umfassenden lodernden Brand
von allen Gesängen ein Tönlein nur rauben
für einen gewaltigen brausenden Sang,
ein Tröpflein nur von allen Trünken und Trauben
für einen, den letzten ausschöpfenden Trank - -

Noch einmal den  G a u m e n  am Besten erlaben,
was ihm nur die Welt an Genüssen geschenkt,
ein Tellerchen aller lukullischen Gaben,
die nie einen handfesten Magen gekränkt,
an volle, an brechende Tafeln geladen
zu einem gewaltigen festlichen Schmaus,
zu Gans-, Hühner-, Hasen- und schweinernen Braten
und essen - ! Und essen - die Schüsseln rein aus - -

Noch einmal in alten Urväter-Weinstuben,
wo Glas und Pokale sich spiegeln im Licht,
wo ganze Geschlechter die Humpen einst huben,
an blankholz’nen Tischen die Reihen gemischt,
sich in eine feuchtfrohe Mette zu stürzen,
in Ströme von sonnigem goldenem  W e i n ,
mit kräftigen Liedern die Kneipe zu würzen
und Freund unter Freunden im Rausche zu sein - -

Noch einmal den irdischen Leib auszutoben,
sich freuen der Muskeln gebärdiger  K r a f t ,
zu springen, zu laufen - aufs Äußerste proben,
was Gott in uns winzigen Menschen erschafft;
an himmelaufragenden Bäumen zu klimmen,
zu kreuzen die Degen in hitzigem Kampf,
in tiefgrünen wellenden Seen zu schwimmen,
zu reiten im Morgendunst, -kühle und -dampf - -

Noch einmal in lustigem wirbelndem  T a n z e
Den Sorgen und Nöten des Lebens entflieh’n,
im Arme ein Mädel in blumigem Kranze,
das Herz voller Jubel und voll Melodien,
den Erdkreis beschränkt auf den Rundgang der Füße,
das Fühlen nur auf den anschmiegenden Leib,
der Tänzerin Anmut, hingebende Süße, -
o Stunde, o selige Stunde du, bleib - -

Noch einmal zu blicken in liebende Augen,
von Mondlicht ein liebendes Gesicht übersät,
und Lippen an Lippen im Kuß festzusaugen
von Jasmins und Flieders Hauch köstlich umweht,
von Wünschen verzehrt in die Arme sich schmiegen
in heißer, in brennender  L i e b e   ein Weib,
im Taumel, im Rausche des Herzens sich wiegen,
zu kosten das herz, zu genießen den Leib - -

Noch einmal aus freiestem Herzen zu  s i n g e n ,
wenn jedes Gefühl sich zum Lobe hochdrängt,
im Sange die Seele zum Himmel aufschwingen,
wenn innige Freude die Kehle schier sprengt
und alle Gedanken in einem Wunsch brennen:
In Schall auszuströmen die jubelnde Brust,
in Liedern, in Klängen, die nichts andres kennen,
als ganz auszukosten die tönende Lust. - -

Noch einmal im Zauber süß singender Geigen,
der Sängerin perlender Koloratur,
Ballette so zierlichem durstigem Reigen,
des tragischen Schauspielers packenden Schwur
den glühenden Abglanz des Göttlichen spüren,
ihr  K ü n s t e ! Gemälde ! Skulpturen ! Musik !
O, wollet noch einmal die Seele hinführen
In wühlendsten Schmerz und in jauchzendstes Glück - -

Noch einmal verleugnend das eigene Streben,
in fremde Gestalten versenken den Geist,
in fremdem entdecken ein schöneres Lebens
als das, was so traurig die Erde umkreist,
ein Leben, in das sich das innerste Wesen
verlieren kann, feurig dreinschlagen das Herz,
in Bücher! - In Bücher - und  l e s e n ! - und lesen
von Leid, Liebe, Schönheit, Not, Freunde und Schmerz - -

Noch einmal zu lauschen umsummenden Mühen
der Bienen, in blumiges Gras hingestreckt,
zu schau’n, wie die Welt überschäumt von Blühen,
Kastanien aufleuchten seh’n, kerzenbesteckt,
lustwandeln noch einmal in Tulpen und Rosen,
Narzissen und Nelken berauschendem Duft,
die samtenen Kelche der Lilien kosen,
zu atmen des  L e n z e s  belebende Luft - -

Noch einmal die schöne Welt  w a n d e r n d  durchstreifen,
durch Wälder durch Heide, an einsamen See,
durch fruchtbare Auen von Sorgen frei schweifen,
in Täler zu schauen von schwindelnder Höh‘,
der Städte Gebäude und winzige Gassen,
manch herrliche Burg und manch ragenden Dom -
noch einmal mit Augen dies alles zu fassen,
des Wachsens und Wirkens stet fließenden Strom - -

Noch einmal des Nachts unter samtblauem Himmel
Erleben der  E w i g k e i t  Erdengestalt,
der Sterne und Sternlein unendlich Gewimmel,
ehrfürchtig bewundern der Schöpfung Gewalt,
die sich in den großen, _ussland_ke Weiten
unausdenkbar fern in den Weltraum verliert,
daraus sich dem menschlichen Streben und Streiten
die Demut und Furcht vor der Allmacht gebiert - -

Noch einmal in kühl-hohem Kirchenschiff lauschen
Den göttlichen Stimmen im Orgelgedröhn,
den Chören, die fromm jede  A n d a c h t  umrauschen
wie Engelsflug, mächtig, aus himmlischen Höh’n;
erhab’nem Geläute der ehernen Glocken,
das hallend die Dächer und Türme umkreist
und endliche das lebende Herz mit Frohlocken
aus Banden und Fesseln des Irdischen reißt - -

Noch einmal die Wunder der  W e i h e n a c h t  schauen,
des Lichterbaums bunte und glitzernde Pracht,
die Krippen inmitten heimatlicher Auen,
den Schnee und den Zauber der heiligen Nacht,
den himmlischen Abglanz auf allen Gesichtern,
der Liebe allmächtig aufgehenden Drang,
den Duft von den Tannen, den brennenden Lichtern,
der alt-lieben Lieder fromm-traulichen Klang - -

Noch einmal das  F l ü g e l r o ß  mutig aufzäumen,
nur einmal noch fassen nach göttlicher Macht,
Gestalt werden lassen aus webenden Träumen,
ein Lichtwerk zu schaffen aus irdischer Nacht,
noch einmal aus übervoll spendenden Händen
der Menschheit zu lindern des Erdenlaufs Pein,
noch einmal sein Bestes, sein Alles verschwenden,
um tot dennoch lebend, - unsterblich zu sein - -

Noch einmal…! Die Tragik sich wandelnden Lebens
Stellt uns an den riefen, den gähnenden Grund;
Noch einmal, noch einmal! - Wir rufen vergebens,
schon reckt seine Arme der höllische Schlund!
Noch einmal - ! Ach, streng unerbittliche Hände
Zerbrachen ob uns längst den richtenden Stab -
Die Feuer verlöschen - so sind wir am Ende -
um uns ist das Grauen - wir müssen hinab!