Sonntag, 14. Juli 2013

Gefangenschaft in Südtirol - ein Loblied auf den Marklhof


Die beiden großen Erlebnisse, das Land von unserer Freundschaftsbank aus und der Wein Südtirols im 15000-Volt-Keller, aber ließen die Freude, ja, die Freude an unserer Gefangenschaft ziemlich klar in meinem Herzen werden. Aber wie alle diese überwältigenden Gefühle, gewannen sie erst Form, nachdem man ihrer Urheber entraten mußte. Trotzdem stehe das Loblied auf die Vorteile des Marklhof an dieser Stelle:

Wo rauschend die Eisack der Etsch sich vermählt,
erhebt sich ein hügelnder Riese,
ein Weinberg, in Sommers Glut brünstig geschwelt,
ein Stück aus Herrgotts Paradiese,
Demant aus der Krone der fruchtbaren Welt,
so trägt er gedeihliches Fruchten,
das Übermaß himmelher über ihn fällt
in seine Gehege und Fluchten.

Dort hält des Geschicks unerbittliche Hand,
dort hält es uns doppelt gekettet:
In Feindes Gewalt, der uns jäh überwand,
und tief in die Reben gebettet,
im Weinberg, der uns aus dem frischgrünen Laub
verschämt fast in blutroten Zähren,
in schwellendem tröstendem Perlengetraub
reicht kirschgroß die saftigen Beeren.

Ach, war, die uns an dieses Eiland gespült, es nicht eine freundliche Welle,
ist, die uns dies‘ Sommers Brand köstlich gekühlt,
nicht göttlich, die rötlichte Quelle
im ragenden Hof, der den Berg gipfelnd krönt,
um den unsre Hütten sich drängen,
der Weinberg, der mit dem Geschick uns versöhnt,
der Sommertag in seinen Hängen - ?

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