Donnerstag, 5. April 2018

"FRANZ KLARINETT" - Satirische Verse II

Sua Fata libelli

 Schicksale der Bücher den menschlichen gleichen: 
Nur wenig die Sonne des Buchdrucks erreichen,
wie viele, die ewig im Schatten verblieben,
obwohl sie doch alle mit Herzblut geschrieben
und hätten so vielen so vieles zu sagen
und wenigen konnten sie nicht behagen:
Kunstpäpsten, Zensoren, Verlagen.

Schicksale der Bücher den menschlichen gleichen,
wie wen'ge, die Sonne des Ruhmes erreichen,
die meisten verbleiben im düsteren Schatten
der zornigen Herrschsucht der Großen, der Satten.
Und wer es gewagt dagegen aufzumucken,
den wird man niemals drucken.

Ich blase mein Liedchen, wie mir es gegeben,
und weiß, daß der Herrgott mein schaffendes Leben
den Reihen der schöpfenden gern zugesellt.
Verbieten mir Menschen, ins Große zu schallen,
so wissen die, denen ich bisher gefallen:
Der Herrgott ist ewig, verglänglich die Welt.
Glauchau, am 30.10. 1959


Alltag

O Alltag, du grausige Mühle,
die all unsre Kräfte zerreibt
und all die schönen Gefühle
in äußerste Winkel vertreibt.
Kein Wunder, wenn in dem Gewühle
ein jeder selbst sieht, wo er bleibt.
Glauchau, am 18.1.1960

Dienstag, 27. März 2018

"FRANZ KLARINETT" - Satirische Verse

Unter dem Pseudonym FRANZ KLARINETT schrieb Hans Fischer in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts zahlreiche kleine Gedichte, die nie veröffentlicht wurden. Damit schuf er sich ein Ventil, um mit dem Alltag in der damaligen DDR fertig zu werden.


Franz Klarinett

Wie ein Baum, der seinen Samen
streut in alle Winde,
streue ich, fast ohne Namen,
daß der Geistesblitz nicht schwinde,
meiner Muse kleinste Kinder
weit umher - ein alter Sünder!


Das  spöttische Instrument

Ein wenig gedudelt und manches bedacht,
ein wenig gewinselt und vieles belacht,
ein wenig gespottet, meist vorlaut und frech,
mitunter besudelt - man greift ja in Pech - 
vielleicht klingt es hölzern, hauptsächlich nasal
dem einen zur Freude, dem andern zur Qual,
mir selber womöglich zu Kummer und Not:
Wer gibt für Gedudel auch nur ein Stück Brot?
Und fehlen mir viere zum Bläserquintett,
ich jodle halt solo als 
Franz Klarinett. 


Feilbieten

Das Dichten zu können genügt nicht allein,
man muß auch sein eigener Ausschreier sein.

Paradiese 1.

Als Eva einst im Paradies
verbotne Früchte naschte, -
wie bitter wurde, was erst süß,
da sie der Engel haschte
und tät sie gleich verstoßen!

Kennt ihr des Paradieses Pracht,
von der, 's ist kaum zu fassen,
gewiß kein Engel emsig wacht,
daß wir es nicht verlassen?
Wer will sich da erbosen?

Paradiese 2. 

Daß uns das Pradies verschlossen,
hat uns von jeher arg verdrossen.
Wir fanden damit ab uns schließlich.
Jetzt stimmt es andrerseits verdrießlich,
daß nun, da wir's genug genossen,
im roten "Paradies" wir eingeschlossen.