Ein weniger angenehmer Dienst war die Bunkerwache, die nunmehr einsetzte. Da traf es mich auch öfter mit. Die Sache war die, daß in den Bunker, tief hinten hinein, die Vermittlung gebaut wurde. Komfortabel, kann ich nur sagen! Die Lehmwände wurden sogar mit Stoff bespannt, der Fußboden mit Brettern belegt, richtiger Dielung, und die ganze Geschichte überhaupt so hergerichtet, als wollte man sich für Monate und Jahre hier festsetzen. Für mich war die Sache insofern interessant, als hier auch einheimische Arbeiter eingesetzt waren. Da wir meist um die Mittagsstunde Luftalarm hatten, konnte ich sie öfter bei ihren gastronomischen Gepflogenheiten beobachten. Sie pflegten nämlich die berühmte Polenta zu essen. Das ist ein dicker steifer Pudding von Maismehl oder -grieß, von dem sie schmale Scheiben abschnitten, auf lange Holzstäbe spießten und über einem offenen Feuer rösteten. Dazu wurde Landwein oder der unvermeidliche Grappa getrunken.
Der Luftkrieg machte sich indessen hier immer stärker bemerkbar. Meist war sooft und so lange Alarm, daß man immer erst dann in den Bunker gehen konnte, wenn die Feindverbände bereits am Himmel brummten und die Flak bellte. Dann hieß es aber auch, die Beine in die Hand nehmen, sonst wurde keine Arbeit mehr fertig. Manchmal lautete die Luftlagemeldung, die uns durch Fernsprecher mitgeteilt wurde, völlig ungefährlich, man unternahm noch einen dienstlichen Gang, überhörte womöglich noch das erste ferne harmlose Bummsen - da konnte man dann bös vom Rauschen der Bomben überrascht werden. Der Felsbunker bot ja demgegenüber hinreichenden Schutz, wenn man ihn erreichte, aber das ”Volk” hier schrie manchmal förmlich in panischer Angst, worüber ich als ”alter Feldsoldat” nur ein Lächeln haben konnte.
Eine üble Auswirkung dieses Bombenkrieges war der Mangel an eingehender Post aus der Heimat. Wir erhielten sie nur noch „auszugsweise”. Unverständlich, daß wahrscheinlich alle wichtigen Ladungen immer auf angegriffenen Bahnhäfen stehen gelassen wurden. Nicht nur Postzüge, auch Munitionszüge wurden hier getroffen. Das knatterte dann immer stundenlang. Die Bahnhofsanlagen und alles umliegende Gelände glichen Sturzäckern. Was uns aus der Heimat erreichte, war aber auch nicht erfreulich, so z.B. die Nachricht, daß Vater trotz seines Alters zum Volkssturm einberufen wurde - ja, die Nazi-Parteigenossen wurden geschont. Zum Glück kam bald die Kunde, daß die Einberufung zurückgezogen worden war. Ich hätte ja keine ruhige Stunde mehr gehabt, Vater noch Gefahren ausgesetzt zu sehen.
Und die allgemeine Lage - ?!
Während meines Weihnachtsurlaubes hatten wir uns noch eines Vorstoßes im Westen gefreut in der Hoffnung, daß damit eine Wende einträte. Nun hieß es im OKW-Bericht: Straßenkämpfe in Köln, Breslau eingeschlossen. - Man mußte sich über die mit merkwürdiger Festigkeit zur Schau getragene Zuversicht der Führung wundern. General Guderian behauptete: ”Wir haben die Gewißheit, daß wir den sowjetischen Ansturm aus dem Osten nicht nur zum Stehen bringen, sondern auch zurückschlagen werden.” Und: ”Wir bereiten uns zum letzten großen entscheidenden Schlag vor.” Dazu etwa Einberufung des Volkssturms? Und der „Führer” selbst sprach in einer Proklamation von der ”geschichtlichen Wende”, die noch in diesem Jahre kommen würde. In gewisser Weise hat er ja Recht behalten, damals aber glaubten wir es noch anders deuten zu müssen, obwohl man damit auf die Ebene von primitiven Wundergläubigen herabsteigen mußte. Denn das ”Wie” dieses Wunders war gerade uns recht zweifelhaft, saßen wir doch in leidlicher Ordnung hier, wärmten uns, wenn uns kalt wurde, die Stube mit dem elektrischen Kocher und den Balg mit Alkohol, wenn die Sirenen heulten, verkrochen wir uns in einen Bunker, zur Essenszeit holten wir uns unsere Schläge mehr als einmal, wir konnten kaufen, Apfel, Zwiebeln, Wein, langte die Abendkost nicht, kochten wir uns Fleischbrühwürfel aus B.s’ Karlsruher Delikatessgeschäft, sein Koffergerät brachte uns Musik und neueste Nachrichten - nein, wir würden unter unseren Aspekten eine gehoffte Wende weder erreichen noch erleben.
Manche der Bombenangriffe berührten uns mit der Zeit ziemlich nahe, und wir bereiteten uns darauf vor, ebenfalls ausgebombt zu werden. Alles konnte man doch nicht mit in den Bunker schleppen, und gern ging ich sowieso nicht hinein. Ich konnte in den Gängen nie das unangenehme Gefühl loswerden: Ein Volltreffer selbst kann uns zwar nicht erschlagen, die Felsdecke hält ihn aus, aber verschüttet können wir werden! Aber einmal, es war am 9. März abends, verkroch ich mich doch mit. Noch hatte ich die berühmten Christbäume gesehen, die die Amis zur Markierung in die Gegend setzten, da rauschte auch schon der Bombenteppich in ziemlicher Nähe herab.
Als wir in später Nachtstunde bei Mondenschein unser Quartier wieder aufsuchten, rissen wir nicht schlecht die Augen auf: Da, wo am Abend noch der dunkle Riesenblock eines mächtigen Lazarettes emporgewuchtet war, stand jetzt nur noch ein einziges mageres Gebäude - alles andere war förmlich rasiert. Was mochte mit den armen hilflosen verwundeten Kameraden geschehen sein? - Und so ging es weiter. Die Jagdbomber machten schließlich sogar Jagd auf einzeln und geschlossen fahrende Kraftwagen. Es pumperte und krachte eigentlich unaufhörlich und das wahrscheinlich in ganz Oberitalien.
Der Frühling zog inzwischen mit aller Macht ein. Über Nacht waren Stadt und Land in ein Meer von Grün und Blüten getaucht. Die Tageswärme stieg immer höher. Wir nützten sie besonders zu Alarmzeiten aus, wenn die Flieger noch nicht da waren. Da lag und hockte alles in Bunkerlochnähe am Berghang und ließ sich von der Sonne braten. Es wurde mir aber auch wieder einmal Gelegenheit, Verona zu sehen. E. B. ”veranstaltete” ein Pkw.-Fahrt zur Beschaffung von Säcken und Schreibmaterialien. Ich mußte natürlich mit. Bei der Gelegenheit konnte ich auch einmal einen der alt-italienischen Palazzi von innen sehen. Ein phantastischer Anblick allein Flur und Treppenhaus: Eine wuchtige Balkendecke mit kunstvollen schmiedeeisernen Lampen, von Säulen und Marmor Treppen und Geländer, und inmitten der Gebäude des Palastes, unter romanischen oder gotischen Fenstern und Säulen und barocken Erkern der kleine Hof, das Atrium. Es war lehrreich!
In dieser Form gingen die Tage und Wochen hin. Während der Frühling aus tausend Blüten lachte und aus tausend Vogelkehlen tönte, sank mein Stimmungsbarometer immer weiter unter Null. Da kam zunächst wieder einmal ein Umzug, aber nur innerhalb des Gebäudes. Ich bekam für meine Waffenkammer endlich einen schönen großen Raum, für mich selbst aber einen ziemlichen „Titscher”. Ich war mit E. B. wieder zusammen in ein Zimmer gezogen, da kam der Kompaniebefehl: Mannschaften dürfen nicht mit Unteroffizieren zusammenwohnen. Das war deutlich auf uns gemünzt. Mich warf es - bei meiner ganzen Gemütsart - in einen Abgrund. Seit drei Jahren waren wir kameradschaftlich verbunden, mit und ohne Litzen. Jetzt sollte er auf einmal ein anderer Mensch sein. Er hatte es nicht so gemacht, wie die Unteroffiziere bei dieser Kompanie, die die Mannschaften als Unterdrückte, als Menschen minderen Wertes behandelten. Aber das war ja eben der sture Kommiß, der ewig und dreimal verfluchte Militarismus: Nicht Tüchtigkeit und männliches Wirken gaben den Ausschlag, sondern das bloße Rangabzeichen, mit dem man selbst die hohlsten Köpfe schmücken konnte. Wie Unteroffiziere gemacht wurden, wußte ich ja von meiner Stabstätigkeit her: Das Mundwerk und die Lautstärke waren ausschlaggebend, und vor so was mußte man denn kuschen. Pfui Teufel!
Da man mir durchaus keinen Raum zum Schlafen und Wohnen anwies, quartierte ich mich selbst in meiner Waffenkammer ein, mitten unter Gewehren und Gasmasken und ähnlichem Kram, und zog mich in mich selbst zurück. Sooft ich mich losmachen konnte, verschwand aus dem Kompaniebereich in die Stadt oder aufs Land zu weiten Spaziergängen. Höchstens daß ich mich einigen Kraftfahrern anschloß. Die waren zwar grob aber ehrlich. Auch in der Kameradschaft. Kam noch dazu daß E. B. wieder zum Stabe zurückging und H. B. an seine Stelle rückte. Und der war, obwohl vor kurzem ebenfalls nur Obergefreiter, bereits so aufgeblasen, daß er mich am liebsten mit Sie angeredet hätte. Unteroffiziere waren eben Plinsentiegel!
Ich hatte noch mehr Grund, der militärischen Hierarchie zu fluchen. Die ewigen Niederlagen und Rückzüge an den Fronten schienen bei den hohen Vorgesetzten Befürchtungen für eine beginnende Auflösung der Disziplin auch hier aufkommen zu lassen. Die Folge war verstärkter Rekrutendrill. Vom Außendienst blieb ich ja (außer Wache) glücklicherweise befreit, aber um die Appelle kam ich nicht herum, Appelle wie zur Rekrutenzeit, Appell in allen Sachen, Waffenappell, Mützenappell, Stiefelappell usw. In mir kochte es. Besonders ein blutjunger Wachtmeister zeichnete sich hier in Großschnäuzigkeit aus, und ich hoffte den Tag zu erleben, ihn seiner Litzen und damit seiner ganzen hohlen Macht entkleidet als den dummen Jungen erkennen zu können, der er war. - Ich habe ihn erlebt!
Bei den Kraftfahrern, wie gesagt, fand ich am ehesten ein wenig Vertrauen. Eines Tages wurde ich als Beifahrer für irgendeine Sandfuhre oder so etwas ähnlichem für den Bunkerbau kommandiert. Wer war froher als ich? Endlich wieder einmal hinaus aufs Land. Bei den Kraftfahrern allerdings sah ich betretene Gesichter. Wie wir dann morgens unterwegs waren, merkte ich richtig, wie sich der Fahrer, ein schon älterer, sehr vierschrötiger Hamburger, förmlich ein Herz faßte und mir mit aller gebotenen Skepsis sein Geheimnis anvertraute; er habe nämlich noch eine andere Fahrt vor, und wenn ich die Schnauze hielt usw., er mußte zwar tüchtig auf die Tube drücken, aber es dürfe kein Aas erfahren, also - ein paar Hundert Lire würden schon auch für mich herausspringen. - Na, wie ich augenblicklich auf die ”Herren” und ”Unterherren” eingestellt war, bedurfte das gar keiner Frage. So kutschierten wir denn mit allem ”Zahn”, den der alte Lastkarren hergeben wollte, durch die oberitalienische Ebene, fuhren das und jenes, kassierten ein dickes Bündel Lire-Scheine ein, von dem ich mein Teil zugesteckt kriegte, dann rollten wir in aller Eile noch auf ein entferntes Dorf, um Arbeiter für den Bunkerbau heranzuholen. Dort mußten wir erst Schnaps und Wein trinken und ordentlich frühstücken, wobei ich voll Verwunderung einen richtigen echten Feigenbaum sehen konnte, und dann ging’s im Karacho wieder gen Verona. B. wollte ob unseres langen Verbleibs ungehalten werden, aber dem schwindelte ich was vor von Jabo-Angriffen, Panne gehabt, beim Verladen aufgehalten worden, auf Arbeiter warten müssen, daß dem Fahrer zu sagen nichts mehr übrig blieb als - unter vier Augen natürlich - :“Dich nehm ich wieder mit!“ - Na also!
Leider sind aus jener Zeit fast keine Briefe mehr zu Hause angekommen. Alles fiel den Luftangriffen zum Opfer. Viel Abwechslung gab es auch nicht. Ich ging öfter in die Front-Buchhandlung am Piazza delle Erbe und hatte mir schon wieder eine hübsche kleine Bücherei zusammengekauft, mit der ich meine einsamen Stunden hinbrachte. Viel zu tun gab es natürlich nie für mich. Eine Scheinarbeit lag immer bereit - doch besuchte mich auch selten jemand. Das Briefschreiben hatte ja auch kaum noch einen Zweck. Nachrichtenhelferin (NH.) P. rief öfter in Glauchau fernmündlich an. Ich ließ jedes Mal Grüße nach Hause bestellen und erfuhr auf diese Weise auch meist, ob und was dort los war. Das war alles.
Nun wurde aber dort die Lage recht brenzlig. Am 13. April meldete der OKW-Bericht, daß Jena gefallen sei. Mein Gott, sind sie schon so weit vorgedrungen, die Barbaren! Sollte nun auch ich so lärmend fröhlich sein, wie einige Tage zuvor Kraftfahrer-Kameraden, die beim Fall von Braunschweig galgenhumorig gejubelt hatten: Na, nun sind wir auch befreit!? Die Stimmung ging mir nicht ein, und unsere letzte Hoffnung, die wir an den Tod des amerikanischen Präsidenten Roosevelt geknüpft hatten, ging ja auch in Scherben. So lebte ich einige Tage in schweren Gedanken an die Lieben zu Hause. Was würde mit ihnen werden, wie würden sie es ertragen und durchstehen können: Die Heimat vom Feinde überrollt? Ach, es war bitterschwer hier nun so tatenlos dem zuschauen zu müssen. Der ganze Sonnabend verging in untröstlichster Stimmung. Ich war wie gelähmt. Gegen Abend sprach ich noch einmal NH P. ”Heute habe ich Nachtdienst,“ sagte sie, ”da rufe ich Glauchau noch einmal an.“
Am frühen Sonntagmorgen konnte ich nicht erwarten, mit ihr zu sprechen. Aber ich bekam nur eine schlechte Nachricht. Bis Chemnitz sei sie gekommen, erzählte sie, und als sie Glauchau verlangt habe, sei sie ungehalten gefragt worden, ob sie wohl vom Monde aus anrufe. Dahin könne nicht vermittelt werden, es säße jemand dazwischen! - Da hatten wir den Salat! In dieser Stunde, so mutmaßte ich, hatten wir vielleicht schon alles Eigentum verloren und dazu - schrecklicher Gedanke! - auch die Angehörigen. War es nicht, um am Leben zu verzweifeln?!
Hier aber ging das Leben jedenfalls normal weiter. Der sture Kommiß war ein zu zähes Gebilde. Der lebte auch noch mit herausgeschnittenem Herzen. Toll! Wir machten weiter Dienst, hielten Appelle ab, ließen Befehle über uns ergehen, fertigten schriftliche Meldungen an, standen stramm, grüßten, empfingen auch weiterhin unser regelmäßiges Essen, putzten unsere Knarren, ich gab sogar noch neue Waffen an neu eingetroffene Kameraden aus - wie in der Kaserne. Und doch nagte auch an der Organisation der Heeresgruppe Süd der Wurm. Lange konnte es nicht mehr dauern, wir konnten uns nur nicht vorstellen, wie das alles enden sollte. Wir hatten nur den Trost, daß wir uns in einem zivilisierten Lande befanden und einen einigermaßen zivilisierten Gegner vor uns hatten. Am 20. April wurde sogar noch einmal Führergeburtstag gefeiert und wurden - oh hohnvolles Affentheater! - noch einmal Beförderungen ausgesprochen und blinkende Litzen verteilt. Aber den neuen Unteroffizieren konnte ich nun keine Pistole mehr ausgeben. Ob die nun mit Knarren oder mit nischt in den Luftschutzbunker liefen, war mir persönlich sowieso wurscht!
Nach knapp drei Tagen war es soweit!
Am Morgen des 23. April - vielleicht auch schon am Abend vorher - wurden wir, d.h. alle abkömmlichen Mannschaften und einige wenige Unteroffiziere, als Alarmeinheit aufgestellt. Feldmarschmäßig. Ich durfte noch Munition ausgeben und dann mitmarschieren. Wir waren wieder auf dem Kessel-Standpunkt. Wer nicht gerade den Kopf unter dem Arm trug, mußte mit. So, da hätte es mich dann auch wieder erwischt! Wir rückten auf den Monte Grappa, und die Vorgesetzten wußten womöglich noch weniger als wir, wozu das gut sein sollte. In unseren Reihen wurden gedämpfte, knurrende Meutereien laut. Schon lancierte man Gerüchte und Erzählungen, daß die Landser stiften gegangen seien, zum Feinde über oder in die Felswildnis der Alpen hinein. „Heldenklau“ sei wieder überall schwer am Werke - . Na, uns hatte er jedenfalls am Wickel.
Gegen Mittag rückten wir unverrichteter Dinge wieder ein. Aber am Abend sollten wir dann endgültig ausrücken, feldmarschmäßig mit Tornister. Der Spieß machte sich bald in die Hosen vor Fitz. Vor allem schien er Angst zu haben, vor uns zu verbergen, wen er nicht mitschickte. Mir war schon alles egal. Wir marschierten zum Schießplatz und rückten von da nach einem freiliegenden, tunnelartigen Keller, der mich übel an Kowel erinnerte. Nun wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt, und ich brachte es durch vorsichtiges Drängeln dahin, daß ich zur zweiten kam, die erst später ausrücken sollte, während die erste gleich fort mußte. Ich hatte immer noch ein wenig Hoffnung, während ich mir doch immer wieder sagte, daß es nun endgültig aus und das Leben in die Feueresse zu schreiben sei. Wie lautete nämlich der Kampfvortrag? Die Straße gegen Mailand gegen vorrückende amerikanische Panzer sichern! Und das mit nur 30 Patronen in der Tasche, keiner Panzerfaust, keiner schweren Waffe - diese Hornochsen!
Im Bunker machten wir es uns notdürftig auf ein wenig Nachtruhe bequem. Ach, Nachtruhe! Man wagte nicht einmal zu beten, daß dieser wüste Traum nur ein Traum sein sollte. Es war bitterste Wirklichkeit. Wieder hatten wir die Knarren im Arm, wieder sollte es in die heißen Gefechte hineingehen, wieder sollten wir das letzte Aufgebot sein, schwach in Kräften, arm an Erfahrungen, und gegen eine maschinen- und waffenmäßige Übermacht ankämpfen. Sollte die „geschichtliche Wende“ dieses Krieges so aussehen? Waren wir wirklich nicht nur Kanonenfutter? Ach, es war müßig, solche Gedanken zu hegen. Man sollte lieber vollkommen abschalten können, gar nichts denken und selbst wie eine Maschine tun, was einem befohlen ward. Uns wäre besser gewesen! So aber wühlten und bohrten die Gedanken, der Lebenswille bäumte sich auf - und sollte doch einem gewissen Tode entgegengehen.
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