So lagen wir also in unserem düsteren Bunker. Keiner sprach mehr ein Wort. Jeder war mit sich selbst mehr als genug beschäftigt und dem Gedanken: Wie kommen wir hier los? Militärischem Ermessen nach gab es kein Entrinnen. Irgendwann, irgendwie, irgendwo würde uns „Heldenklau“ ja doch wieder aufgreifen und in den brodelnden Topf der Front werfen. Wir waren nicht zum Leben da, sondern zum Verbluten - nicht zum Siegen, sondern zum Sterben herbefohlen. Aber konnte mit unseren faulenden Leibern ein Damm gegen die hereinbrechende feindliche Sturmflut errichtet werden?
Freitag, 29. März 2013
Freitag, 15. März 2013
Kriegstagebuch - März/April 1945
Ein weniger angenehmer Dienst war die Bunkerwache, die nunmehr einsetzte. Da traf es mich auch öfter mit. Die Sache war die, daß in den Bunker, tief hinten hinein, die Vermittlung gebaut wurde. Komfortabel, kann ich nur sagen! Die Lehmwände wurden sogar mit Stoff bespannt, der Fußboden mit Brettern belegt, richtiger Dielung, und die ganze Geschichte überhaupt so hergerichtet, als wollte man sich für Monate und Jahre hier festsetzen. Für mich war die Sache insofern interessant, als hier auch einheimische Arbeiter eingesetzt waren. Da wir meist um die Mittagsstunde Luftalarm hatten, konnte ich sie öfter bei ihren gastronomischen Gepflogenheiten beobachten. Sie pflegten nämlich die berühmte Polenta zu essen. Das ist ein dicker steifer Pudding von Maismehl oder -grieß, von dem sie schmale Scheiben abschnitten, auf lange Holzstäbe spießten und über einem offenen Feuer rösteten. Dazu wurde Landwein oder der unvermeidliche Grappa getrunken.
Dienstag, 12. März 2013
Kriegstagebuch - Fortsetzung (in Verona)
Indessen spielten mir mein Appetit und die „Kattunchristen“ einen üblen Streich. Das war am Freitag, den 23. Februar; denn das Datum muß festgehalten werden. Es gab gerade mein Lieblingsessen zu Mittag: Milchreis mit Zucker und Zimt. Ich aß gerade meinen zweiten Schlag, als die Sirenen zum Alarm aufheulten. Männiglich warf die Löffel weg und ging stiften. Bald saß ich allein; denn keineswegs wollte ich mir das Essen um die Ohren schlagen. Als der Teller geleert war, horchte ich nach draußen - friedliche Stille.
Sonntag, 3. März 2013
Kriegstagebuch - Fortsetzung
... Zunächst jedoch lud mich B. zum zusätzlichen Abendessen ein, Bratkartoffeln mit Beefsteaks, und ich bekam gleich einen Begriff davon, daß jetzt beim Stab das „Organisieren“ das „Hintenherumbeschaffen“ und die „Fettlebe“ großgeschrieben wurden. Man hätte auch sagen können: die „Korruption“. ...
Weniger angenehm war das Quartier. Die Mannschaften waren alle außerhalb des Stabgebäudes in Privathäusern untergebracht, und ich wurde auch in ein solches eingeschoben, allerdings einen ofenlosen Vorraum, der wie alle italienischen Wohnhäuser mit Steinfußboden begabt war. Und bei der herrschenden winterlichen Januar-Temperatur war das ein besonderes Fest. Ich fror gleich in der ersten Nacht wie ein Schneider. Und dann erschreckten mich die Abortverhältnisse. Das W.C. im Hause war unbrauchbar, und im Stabsquartiergarten befand sich lediglich ein französisches Steh-Clo, und das konnte mich gleich ordentlich erbosen!
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