Am 10. Juli war alles fertig und wir
begaben uns an diesem schönen und sehr warmen Abend hinaus an unseren Platz.
Außer der ”Capsula” und der Schnapspulle schleppten wir noch einen Handbagger
und natürlich unsere Stöcke mit. In gewollt oder vielleicht auch gemacht
feierlicher Stimmung wählten wir den rechten Platz, einige Schritte vor der
Bank, und begannen zu graben und große Steine zusammen zu suchen.
Der Boden war
ziemlich hart durch die sommerliche Hitze und den an sich felsigen Grund. Aber
wir kamen ganz schön tief hinein, so daß die Gewähr gegeben war, daß nicht beim
nächsten Ackern im Weinberg die Kapsel mit herausgepflügt wurde.
Aber dann wurde uns doch ein wenig
eigen zu Mute. Wir wollten der Erde etwas anvertrauen: Unsere besten Gedanken
dieser Tage, ein Zeugnis dieser ganzen verworrenen Zeit, eine sicht- und
greifbare Spur unseres Wallens in diesem so schönen Lande, in das wir
verschlagen waren - das sollte einer späteren Generation zu finden vorbehalten
bleiben, das sollten einmal Menschen einer besseren Zeit erfahren - ! ”50
Jahre,” sagte H.-E. P., ”sollst du liegen!” - ”Das Jahr 2000 soll dich
ans Licht heben,” wünschte ich. R. hielt den Kopf schief und schielte
gerührt durch seine Brille. Über der offenen Grube tranken wir zur Bekräftigung
unserer Wünsche und Hoffnungen aus unserem einzigen Gläschen reihum unseren
superfeinen Mokkalikör dazu.
Dann wurden dicke Wackersteine über
die silbern blinkende Kapsel geschichtet, die Erde darüber geschüttet und
festgestampft, schließlich alle Spuren verwischt. Auch über dem fertigen,
völlig unkenntlichen Grabe gab es noch einen Schluck, uns als wir dann so auf
unserer Bank saßen und unsere Blicke wieder übers Land schweifen ließen, in dem
die Abendnebel langsam stiegen, dachte wohl jeder von uns, daß wir uns den
besonderen Glücksfall wünschten, daß einmal ein Nachkomme von uns ein Sohn oder
Enkel, in diesem Lande, auf diesem von seinen Vätern gesegneten Fleckchen
stehen und unsere Kapsel finden möchte.[1] ”Es
soll die Spur von unsern Erdentagen …”
”Wir
müssen für unsere Kinder diesen Fleck gut beschreiben” meinte einer tiefsinnig,
”Nordzipfel, besser noch Nordwestzipfel des Weinberges Marklhof bei Girlan in
der Nähe von Bozen, Besitz des Brixener Klosters Neustift, an einer hoch
gemauerten spitzen Ecke!” - Nun, ich habe es hiermit getan.
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