Samstag, 13. Juli 2013

Kriegstagebuch - Eine Botschaft für die Nachwelt


Am 10. Juli war alles fertig und wir begaben uns an diesem schönen und sehr warmen Abend hinaus an unseren Platz. Außer der ”Capsula” und der Schnapspulle schleppten wir noch einen Handbagger und natürlich unsere Stöcke mit. In gewollt oder vielleicht auch gemacht feierlicher Stimmung wählten wir den rechten Platz, einige Schritte vor der Bank, und begannen zu graben und große Steine zusammen zu suchen. Der Boden war ziemlich hart durch die sommerliche Hitze und den an sich felsigen Grund. Aber wir kamen ganz schön tief hinein, so daß die Gewähr gegeben war, daß nicht beim nächsten Ackern im Weinberg die Kapsel mit herausgepflügt wurde.
Aber dann wurde uns doch ein wenig eigen zu Mute. Wir wollten der Erde etwas anvertrauen: Unsere besten Gedanken dieser Tage, ein Zeugnis dieser ganzen verworrenen Zeit, eine sicht- und greifbare Spur unseres Wallens in diesem so schönen Lande, in das wir verschlagen waren - das sollte einer späteren Generation zu finden vorbehalten bleiben, das sollten einmal Menschen einer besseren Zeit erfahren - ! ”50 Jahre,” sagte H.-E. P., ”sollst du liegen!” - ”Das Jahr 2000 soll dich ans Licht heben,” wünschte ich. R. hielt den Kopf schief und schielte gerührt durch seine Brille. Über der offenen Grube tranken wir zur Bekräftigung unserer Wünsche und Hoffnungen aus unserem einzigen Gläschen reihum unseren superfeinen Mokkalikör dazu.
Dann wurden dicke Wackersteine über die silbern blinkende Kapsel geschichtet, die Erde darüber geschüttet und festgestampft, schließlich alle Spuren verwischt. Auch über dem fertigen, völlig unkenntlichen Grabe gab es noch einen Schluck, uns als wir dann so auf unserer Bank saßen und unsere Blicke wieder übers Land schweifen ließen, in dem die Abendnebel langsam stiegen, dachte wohl jeder von uns, daß wir uns den besonderen Glücksfall wünschten, daß einmal ein Nachkomme von uns ein Sohn oder Enkel, in diesem Lande, auf diesem von seinen Vätern gesegneten Fleckchen stehen und unsere Kapsel finden möchte.[1] ”Es soll die Spur von unsern Erdentagen …”
”Wir müssen für unsere Kinder diesen Fleck gut beschreiben” meinte einer tiefsinnig, ”Nordzipfel, besser noch Nordwestzipfel des Weinberges Marklhof bei Girlan in der Nähe von Bozen, Besitz des Brixener Klosters Neustift, an einer hoch gemauerten spitzen Ecke!” - Nun, ich habe es hiermit getan.


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