Ich weiß nicht mehr, lag es an den Amis und ihren strengen Vorschriften oder war es um unserer eigenen Bequemlichkeit - kurz, eines Tages schritten wir zum Schlachtfest. Vielleicht fürchtete der Spieß auch, die Sau könnte im Erdstall verrecken oder vielleicht, er könnte um den Genuß kommen, da nun die Entlassungen tatsächlich anzulaufen ”drohten”. Jedenfalls räumten wir unsere Tischlerwerkstatt aus, denn sie sollte zum Schlachthaus avancieren. Der Stabskoch, ein Fleischer, kam eines Abends und stach das fette Vieh ab. Leider kam ich erst dazu, als die Schweinshälften schon auf der Leiter hingen. Am nächsten Tag dann hob in der Küche eine tolles Kochen und Brägeln an, und gegen Mittag konnte sich jeder eine Scheibe Wellfleisch abholen. Das schmeckte zwar herrlich, war aber so fett gewesen, daß die Hälfte der Kompanie nach kurzer Zeit nach den Latrinen rannte, weil dieses blanke Fett einen ungeheuren Rumor in den Därmen angerichtet hatte. Wir anderen entgingen diesem Schicksal, weil wir das Übermaß mit Alkohol dämpften, so daß uns der kommende Morgen mit dösigem Kopf und saurem Magen erwachen ließ. Und in diesem Zustand - der Spieß war schon ein Sauhund! - wurde mir, ausgerechnet mir, der Auftrag, den Saustall auszumisten!! Das war mein Verderb! Auf den Saustall brannte die Sonne, der Schweinemist stank wie die helle Pest und mein Kater - !! Mir wand sich der Magen um, - ich war groggy!
Das sind so meine Erinnerungen ans Sauschlachten!
Inzwischen hatten wir vom Kompanieschneider auch die Fahnentücher zu Badehosen verarbeiten lassen, und an einem Sonntag Anfang Juli ging es denn auch fort zum Baden. Wir mußten zwar etliche Kilometer mit dem Lkw. fahren, und es ging bergauf und bergab und über enge Wege in weiten Kiefernwäldern, aber als wir am Ziel waren, schimmerte durch die Stämme die weite grüne Fläche eines herrlichen Waldsees. Das war wieder so recht ein Fleckchen für mein schönheitsbedürftiges Herz. Bis dicht ans Wasser heran trat der Wald, der vom Ufer ab ringsherum immer höher anstieg, so daß ein förmliches Rundtal entstand, über dem sich der Himmel blau und gläsern wölbte. Wenn man im Wasser auf dem Rücken lag, sah man nichts als Wasser, Wald und Himmel. Das war der kleine Montiggl-See.
Wenige Minuten nach unserer Ankunft war in das vorherrschende Grün der Waldseelandschaft ein neuer Farbton gekommen: Eine ganze Kompanie mit roten Badehosen stürzte sich freudig ins Wasser. Ich war mitten darunter. Allerdings so rasch wie bei manchem anderen ging es nicht. Zunächst war der Boden am Ufer arg steinig, fiel aber dann bald und steil ab. Ich aber war seit bald zehn Jahren nicht mehr zum Schwimmen gekommen, so daß mir, als ich die Wellen über mir zusammenschlagen ließ, zunächst einmal die Luft wegblieb und ich mich schleunigst wieder ans Ufer flüchtete. Ich hatte natürlich geschluckt und glaubte auch mir einem Fisch - oder war es ein Frosch? - in Berührung gekommen zu sein. Das war doch das erste Wildwasser, in dem ich baden wollte. Aber der Mensch gewöhnt sich an alles, und bald plätscherte ich mit den Kameraden um die Wette in dem frischen grünen Wasser, das an manchen Stellen warm wie aus dem Kochtopf war, an anderen Stellen aber kalt wie eben nur in einem Alpensee strömte. Im Ganzen war es eine Wonne; denn die letzten Wochen waren heiß gewesen und wir einer gründlichen Spülung bedürftig. In der Folgezeit fuhren wir jeden Sonntag, manchmal auch wochentags abends nach dem See.
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