Am nächsten Tag, Sonnabend, dem 26. Mai, gab es noch einmal pro Nase nicht weniger als 5 Stück Frontkämpferpäckchen aber auch die Nachricht, daß es nun am folgenden Sonntag wirklich und endgültig fortginge. Gegen Abend kam ein Kommando zurück zu uns, das Nachrichtengerät bei den Amis abgeliefert hatte. Ein dabei beteiligter Kamerad bot mir eine ellenlange, fast hellblonde wohlgeformte Ami-Zigarre an, die man ihm dort geschenkt hatte. Das war denn nach der vielen Pfeifenraucherei wieder mal ein ganz besonderer Genuß, vor allem nach dem zahlreichen guten und fetten Essen, morgens, mittags und abends.
Am Sonntag früh wird also nun tatsächlich verladen und es geht wieder nicht fort. Beinahe sind wir’s ja gewohnt. Gehen wir also wieder spazieren.
Am Montag früh kommt noch einmal Verladebefehl. Mittags soll’s fortgehen. Wir nehmen uns aber Zeit. Ewige Veralberei! Dafür essen wir ein ganzes Knäckebrotlager leer. D. h. leer wird es nicht. Es ist, als wir - wie vorgesehen - das Laden wieder abbrechen dürfen, noch mehr als genug da. Gegen abend aber wird dann doch fertig geladen, und wenn wir es auch nicht glauben wollen, daß dies unser letzter Nachmittag und Abend in Schluderbach ist, genießen wir - besonders ich - sie doch mit diesem Gefühl, nehme Abschied von den nahem Bergen, der Roten Wand, dem Piano und dem Cristallo, der blumenreichen Matte und dem kristallklar plätschernden und flutenden Bächlein.
Es war der 33. Tag unseres Hierseins und im Ganzen doch ein fröhlicher Aufenthalt. Mochte er nun immerhin zu Ende gehen. Alles Irdische ging ja einmal zu Ende, und das Abschiednehmen war man ja gewohnt. Aber was würde nun kommen? Gefangenschaft im Süden, etwa gar auf Sizilien, wo von den Schwefelbergwerken gemunkelt wurde, oder nach Frankreich - ach, es gab tausend Gerüchte. Man mußte sich in Geduld fassen.
Und am Dienstag, dem 29. Mai 1945, ging es denn frühmorgens tatsächlich fort von Schluderbach.
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