Inzwischen schloß ich noch eine
andere Freundschaft, oder wenigstens mehr Bekanntschaft, und die ging über den
Gesang. Wir hatten einen Kompanieelektriker, ein ganz verrücktes Huhn,
waschechten Berliner schon älteren Semesters, namens Otto. Wir nannten ihn nur
Otto-Otto. Dem behagte nicht, in der Baracke mit den Kameraden zu wohnen und zu
schlafen, vielmehr hatte er innerhalb des Lagers einen verlassenen Erdbunker
gefunden und sich wohnlich eingerichtet. Unter ”wohnlich” verstand Otto-Otto
vor allem eine riesige Schalttafel, von der aus er die Strombelieferung des
Lagers regierte, d. h. nämlich, bei zu starker Belastung des kümmerlichen
Netzes ”Stromsperre” veranstaltete.
Natürlich nicht in seinem eigenen Bunker.
Dort fand sich in drangvoll fürchterlicher Enge ein ganzer Kreis lustiger Leute
zusammen; denn Otto-Otto hatte immer Geld, weil er auch in den Dörfern der
Umgebung auf ”Kundschaft” ging. Demgemäß gab es bei ihm auch immer Wein und
Würste. Freigebig wie er war, haben wir und bei ihm manchmal den Magen
vollgeschlagen. Freilich aber gehörte zuvor ein Ohrenschmaus dazu. Wir sangen
in der verrücktesten Zusammenstellung vor allem Schlagerlieder. Um der Sache
aber auch den richtigen Reiz zu geben und dem von uns gewählten Namen des
Bunkers - ”15000 Volt-Keller” - Ehre zu machen, war über der Mitte des Tisches
eine Mikrophon aufgehängt, das unseren an sich schon mehr lauten als schönen
Chorus noch ins unermeßlich verstärkte. Zuletzt mußte ich noch als einzig
zeichnerisch nicht ganz Unbegabter für den Bildschmuck des Kellers sorgen. Wir
wählten Schlagertexte und ich malte z.B. ”Auf einer kleinen Bank im Park”,
”Wochenend und Sonnenschein und dann mit dir im Wald allein” und was derlei
Scherze noch mehr waren.
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