Sonntag, 14. Juli 2013

Gefangenschaft in Südtirol - Erlebnisse


Inzwischen schloß ich noch eine andere Freundschaft, oder wenigstens mehr Bekanntschaft, und die ging über den Gesang. Wir hatten einen Kompanieelektriker, ein ganz verrücktes Huhn, waschechten Berliner schon älteren Semesters, namens Otto. Wir nannten ihn nur Otto-Otto. Dem behagte nicht, in der Baracke mit den Kameraden zu wohnen und zu schlafen, vielmehr hatte er innerhalb des Lagers einen verlassenen Erdbunker gefunden und sich wohnlich eingerichtet. Unter ”wohnlich” verstand Otto-Otto vor allem eine riesige Schalttafel, von der aus er die Strombelieferung des Lagers regierte, d. h. nämlich, bei zu starker Belastung des kümmerlichen Netzes ”Stromsperre” veranstaltete. Natürlich nicht in seinem eigenen Bunker. Dort fand sich in drangvoll fürchterlicher Enge ein ganzer Kreis lustiger Leute zusammen; denn Otto-Otto hatte immer Geld, weil er auch in den Dörfern der Umgebung auf ”Kundschaft” ging. Demgemäß gab es bei ihm auch immer Wein und Würste. Freigebig wie er war, haben wir und bei ihm manchmal den Magen vollgeschlagen. Freilich aber gehörte zuvor ein Ohrenschmaus dazu. Wir sangen in der verrücktesten Zusammenstellung vor allem Schlagerlieder. Um der Sache aber auch den richtigen Reiz zu geben und dem von uns gewählten Namen des Bunkers - ”15000 Volt-Keller” - Ehre zu machen, war über der Mitte des Tisches eine Mikrophon aufgehängt, das unseren an sich schon mehr lauten als schönen Chorus noch ins unermeßlich verstärkte. Zuletzt mußte ich noch als einzig zeichnerisch nicht ganz Unbegabter für den Bildschmuck des Kellers sorgen. Wir wählten Schlagertexte und ich malte z.B. ”Auf einer kleinen Bank im Park”, ”Wochenend und Sonnenschein und dann mit dir im Wald allein” und was derlei Scherze noch mehr waren.

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