In diesen Tagen erreicht uns aber auch ein bedeutsamer Befehl. Er besagte, daß nunmehr sämtliche Nazi-Hoheitszeichen, aber auch Orden und Ehrenzeichen, vor allem soweit sie das Hakenkreuz zeigten, zu verschwinden hätten. Nun, die ”Gake” am Uniformrock war rasch abgetrennt. Schwieriger war schon die Geschichte mit dem Koppelschloß und vor allem mit dem Verwundetenabzeichen; denn so sagte ich, das Ding ist keine Schande und ich habe keinen Grund zu verbergen, daß ich in dem Sauschlamassel von Kowel und ganz Rußland habe bluten müssen. Diese Gedanken schien dann auch die Amis zu bewegen; denn der Befehl wurde dahin gemildert, daß nur die Hakenkreuze zu verschwinden hätten. So standen wir denn einige Tage in unserer Werkstatt und feilten die Hakenkreuze aus dem Koppelschloß und dem Verwundetenabzeichen heraus. Da das mit dem Koppelschloß bei mir aber nicht so hinhaute, bastelte ich mir aus dem Blech einer Marschverpflegungsbüchse eine Verkleidung, die natürlich auch dilettantenhaft genug aussah. Später baute mir der Kompanie-Mechaniker ein ganz neues Koppelschloß aus Messing, das wirklich fein aussah.
Mittwoch, 26. Juni 2013
Dienstag, 25. Juni 2013
Kriegstagebuch - Gefangenschaft in Südtirol - Fortsetzung
Die Besichtigungen waren uns unangenehm. Sie machten uns unsere Lage als unfreie Menschen nur zu deutlich. Oft brachten sie unfreiwillige Komik mit sich. Einmal besichtigte der Korporal der Lagerwache. Alles Verbotene war verkranicht. Nur die roten Fahnen, die wir in Schluderbach noch entnazifiziert hatten, lagen noch auf einem Wandbord. In letzter Sekunde noch wollte sie ein Kamerad ”wegschmeißen”. ”Nein”, sagte ich, ”das sollen unsere Badehosen werden, und da kann kein Ami was dagegen haben!” Die Besichtigung kam. Der Korporal war kaum eingetreten, als er schon mit Stirnrunzeln nach dem verpönten Rot zeigte; ”Fahne!” schrie er, ”Nazi - Hakenkreuz!” Nein sagten wir, Badehose! Aber er holte den Stoff doch herunter, rollte ihn auf und lachte. ”Ein Stück haben,”, radebrechte er, ”Schlips machen!” Wir ließen ihm das Vergnügen.
Sonntag, 23. Juni 2013
Kriegstagebuch - Gefangenschaft in Südtirol
Am Abend desselben Tages begann ein Gewitter heranzuziehen, und es war ein eigenartiger Anblick, dieses Naturschauspiel einmal von unserer Höhe aus erleben zu können. Im heimatlichen Flachlande gewohnt, die Gewitter h e r a u f ziehen zu sehen, wuchs es uns hier auf fast gleicher Höhe entgegen. Das weite Etschtal war wie eine Bühne, über der Vorhang um Vorhang herniederfiel, der strömende Regen. Ein Hügel, ein Gipfelhang nach dem anderen verschwand hinter den grauen Schleiern, und man konnte sich förmlich an den Fingern abzählen: Nun kommt das Mendelgebirge an die Reihe, jetzt der Hügel von St. Pauls und nun würden wir dran sein. Und dann platschte auch bei uns der Regen nieder, von der ausgedörrten Erde durstig aufgesogen, Blitz und Donner waren ein Schlag, so daß man sich rasch in die nun auch wohnlich gewordene Baracke zurückzog. Die Fenster freilich mußten wir mit unseren Zeltbahnen verhängen, aber eine Tür war nun da, und seit heute morgen hatten wir auch elektrisches Licht. Ich flüchtete mich in mein Bett in der Stubenecke, im Oberstock wieder selbstverständlich, und ließ mich vom eintönigen Rauschen und Plauschen des Regens bald einlullen.
Freitag, 21. Juni 2013
Kriegstagebuch - Gefangenschaft in Südtirol - Im Weinberg vom Marklhof
Mir aber weitete sich wieder einmal die Brust vor den Wundern des Geschauten, von einem hohen Gefühl, der Wander- und Reisefreudigkeit verwandt, so stark und lebendig, daß es mich während unseres ganzen Aufenthaltes nicht verließ und wohl lebenslang in mir nachklingen wird. Südtirol, dachte ich, sagenhaftes Land, geschichtsträchtiger Boden - ich bin bei dir! Du hast mich aufgenommen. Und noch viel mehr rang es in meinem Inneren nach Worten, - Worten, die ich erst nacherlebend dieser Stunde geben konnte:
Dienstag, 18. Juni 2013
Kriegstagebuch - Gefangenschaft in Südtirol - Eppan/St. Pauls und Girlan/Marklhof
Am 1. Juni jedoch zog die Sonne wieder strahlend herauf und schickte die gewohnte südliche Wärme herab, so daß männiglich und auch weibiglich alle überflüssige Kleidung abwarf und möglichst wenig bekleidet herumspazierte. Die Nachrichtenhelferinnen standen in eleganten Luft- und Badeanzügen vor ihren Baracken am Waschfaß und feierten ein überschäumendes Waschfest. Aber ach, gerade sie hatten nicht mit der frommen strengen christkatholischen Bevölkerung gerechnet, die ja nicht nur von allen Seiten in die Winkel unseres Barackendorfes hereinschauen, sondern sogar hereinkommen konnte. Und gleich benachbart war ja das Krankenhaus, in dem katholische Nonnen ihres Dienstes wirkten. Da gab es einen Aufstand in der Bevölkerung.
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