Mir aber weitete sich wieder einmal die Brust vor den Wundern des Geschauten, von einem hohen Gefühl, der Wander- und Reisefreudigkeit verwandt, so stark und lebendig, daß es mich während unseres ganzen Aufenthaltes nicht verließ und wohl lebenslang in mir nachklingen wird. Südtirol, dachte ich, sagenhaftes Land, geschichtsträchtiger Boden - ich bin bei dir! Du hast mich aufgenommen. Und noch viel mehr rang es in meinem Inneren nach Worten, - Worten, die ich erst nacherlebend dieser Stunde geben konnte:
Freitag, 21. Juni 2013
Dienstag, 18. Juni 2013
Kriegstagebuch - Gefangenschaft in Südtirol - Eppan/St. Pauls und Girlan/Marklhof
Am 1. Juni jedoch zog die Sonne wieder strahlend herauf und schickte die gewohnte südliche Wärme herab, so daß männiglich und auch weibiglich alle überflüssige Kleidung abwarf und möglichst wenig bekleidet herumspazierte. Die Nachrichtenhelferinnen standen in eleganten Luft- und Badeanzügen vor ihren Baracken am Waschfaß und feierten ein überschäumendes Waschfest. Aber ach, gerade sie hatten nicht mit der frommen strengen christkatholischen Bevölkerung gerechnet, die ja nicht nur von allen Seiten in die Winkel unseres Barackendorfes hereinschauen, sondern sogar hereinkommen konnte. Und gleich benachbart war ja das Krankenhaus, in dem katholische Nonnen ihres Dienstes wirkten. Da gab es einen Aufstand in der Bevölkerung.
Sonntag, 26. Mai 2013
Kriegstagebuch - 15. Kapitel - Gefangen
Wirf alles hinter dich
nach alter Landsknechtsweise!
Manch einem, der verblich
zur letzten großen Reise
half auch sein Bündel Sorgen
nicht auf ein bess’res Morgen.
Der Tod reißt alle Stränge,
und nichts ist mehr zu enge.
Sieh, was du heute hast!
Wirf alles hinter dich,
was da nur Sorg und Last!
Wirf alles hinter dich
nach alter Landsknechtsweise!
Verletzte dich ein Stich,
trugst du an saurem Schweiße,
was nützet alles Grämen,
willst du es mit dir nehmen?
Ein Hemmklotz ist’s, kein Segen,
und schützt dich nicht vor Schlägen.
Sieh, was du heute hast!
Wirf alles hinter dich,
was da nur Sorg und Last!
Wirf alles hinter dich
Nach alter Landsknechtsweise!
Zieh einen dicken Strich
und sieh, daß du mit Fleiße
dem Tage nur kannst leben.
Aufs Heute richt dein Streben;
das Morgen und das Gestern
sind graue Sorgenschwestern!
Sieh, was du heute hast!
Wirf alles hinter dich,
was da nur Sorg und Last!
Mittwoch, 22. Mai 2013
Kriegstagebuch - Abschied von Schluderbach - Wie geht es weiter?
Am nächsten Tag, Sonnabend, dem 26. Mai, gab es noch einmal pro Nase nicht weniger als 5 Stück Frontkämpferpäckchen aber auch die Nachricht, daß es nun am folgenden Sonntag wirklich und endgültig fortginge. Gegen Abend kam ein Kommando zurück zu uns, das Nachrichtengerät bei den Amis abgeliefert hatte. Ein dabei beteiligter Kamerad bot mir eine ellenlange, fast hellblonde wohlgeformte Ami-Zigarre an, die man ihm dort geschenkt hatte. Das war denn nach der vielen Pfeifenraucherei wieder mal ein ganz besonderer Genuß, vor allem nach dem zahlreichen guten und fetten Essen, morgens, mittags und abends.
Montag, 13. Mai 2013
Kriegstagebuch - Weitere Erlebnisse in Schluderbach
Indessen lebten wir friedlich und lustig dahin, wenn auch unsere Gespräche oft recht zweifelhafter Natur waren. Aber es half ja alles nichts, und wir mußten uns in die Gegebenheiten schicken, wie sie waren. Wenn wir allerdings an die Heimat und unser künftiges Geschick dachten, half uns nur noch der Humor über das Mißliche unserer Situation hinweg. In diesem Humor lebten auch eine ganze Anzahl bunte Abende, die uns Angehörige der verschiedenen hier lebenden Einheiten boten. Meist waren es Berufskünstler, die nun ihren Witz sprühen ließen. Am festesten in der Erinnerung hafteten zwei Wiener Stimmungssänger mit Klampfe und Quetschkommode, die allerhand lustige Schnadahüpfeln und Bänkelsängereien zum Besten gaben.
Sonntag, 5. Mai 2013
Kriegstagebuch - Der Mai 1945 nach der Kapitulation
Beim nächsten Morgenappell kam wieder ein Stimmungsrückschlag. Der englische Rundfunk hat gemeldet, die gesamte deutsche Wehrmacht habe nun kapituliert. Der Spieß drückte als ziemlich sicher aus, wir kämen im Landmarsch weg, also „per pedes apostolorum”. O weh! Es gab mir gleich einen Stich durch die Narben meines Fußes, und ich bekam einfach ganz fürchterliche Angst vor der Zukunft.
Samstag, 4. Mai 2013
Kriegstagebuch - Der 4. und 5. Mai 1945
Am anderen Morgen, 4. Mai. Wie üblich versammeln wir uns auf unserem Korridor zum Appell, als wäre nichts gewesen. Die Kommandos klangen zwar friedlicher und weniger zackig, aber wir standen immerhin in Reih und Glied. Na, wenn schon! Der Chef, Oberleutnant Nobis, sprach uns in seiner kühlen, nichtsdestoweniger sympathischen Art an. Wir sollten die Ruhe nicht verlieren, sagte er. Unser Schicksal sei zwar noch völlig ungewiß, doch empfehle es sich keineswegs, etwa auf eigene Faust stiften zu gehen. Wir sollten an die uns ungewohnten Berge denken, an die immer noch möglichen Wetterunbilden - wir sollten uns vor Augen halten, daß der Einzelne im Haufen immer noch sicherer sei als auf sich selbst gestellt. Er gab uns keinen Trost und keine Hoffnung, aber Ruhe und Zuversicht. Immerhin rechneten wir damit, daß wir am nächsten oder übernächsten Tag in die Gefangenschaft, in irgendein riesiges Gefangenenlager abrutschen würden.
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