Donnerstag, 5. April 2018

"FRANZ KLARINETT" - Satirische Verse II

Sua Fata libelli

 Schicksale der Bücher den menschlichen gleichen: 
Nur wenig die Sonne des Buchdrucks erreichen,
wie viele, die ewig im Schatten verblieben,
obwohl sie doch alle mit Herzblut geschrieben
und hätten so vielen so vieles zu sagen
und wenigen konnten sie nicht behagen:
Kunstpäpsten, Zensoren, Verlagen.

Schicksale der Bücher den menschlichen gleichen,
wie wen'ge, die Sonne des Ruhmes erreichen,
die meisten verbleiben im düsteren Schatten
der zornigen Herrschsucht der Großen, der Satten.
Und wer es gewagt dagegen aufzumucken,
den wird man niemals drucken.

Ich blase mein Liedchen, wie mir es gegeben,
und weiß, daß der Herrgott mein schaffendes Leben
den Reihen der schöpfenden gern zugesellt.
Verbieten mir Menschen, ins Große zu schallen,
so wissen die, denen ich bisher gefallen:
Der Herrgott ist ewig, verglänglich die Welt.
Glauchau, am 30.10. 1959


Alltag

O Alltag, du grausige Mühle,
die all unsre Kräfte zerreibt
und all die schönen Gefühle
in äußerste Winkel vertreibt.
Kein Wunder, wenn in dem Gewühle
ein jeder selbst sieht, wo er bleibt.
Glauchau, am 18.1.1960

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