Dienstag, 27. März 2018

"FRANZ KLARINETT" - Satirische Verse

Unter dem Pseudonym FRANZ KLARINETT schrieb Hans Fischer in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts zahlreiche kleine Gedichte, die nie veröffentlicht wurden. Damit schuf er sich ein Ventil, um mit dem Alltag in der damaligen DDR fertig zu werden.


Franz Klarinett

Wie ein Baum, der seinen Samen
streut in alle Winde,
streue ich, fast ohne Namen,
daß der Geistesblitz nicht schwinde,
meiner Muse kleinste Kinder
weit umher - ein alter Sünder!


Das  spöttische Instrument

Ein wenig gedudelt und manches bedacht,
ein wenig gewinselt und vieles belacht,
ein wenig gespottet, meist vorlaut und frech,
mitunter besudelt - man greift ja in Pech - 
vielleicht klingt es hölzern, hauptsächlich nasal
dem einen zur Freude, dem andern zur Qual,
mir selber womöglich zu Kummer und Not:
Wer gibt für Gedudel auch nur ein Stück Brot?
Und fehlen mir viere zum Bläserquintett,
ich jodle halt solo als 
Franz Klarinett. 


Feilbieten

Das Dichten zu können genügt nicht allein,
man muß auch sein eigener Ausschreier sein.

Paradiese 1.

Als Eva einst im Paradies
verbotne Früchte naschte, -
wie bitter wurde, was erst süß,
da sie der Engel haschte
und tät sie gleich verstoßen!

Kennt ihr des Paradieses Pracht,
von der, 's ist kaum zu fassen,
gewiß kein Engel emsig wacht,
daß wir es nicht verlassen?
Wer will sich da erbosen?

Paradiese 2. 

Daß uns das Pradies verschlossen,
hat uns von jeher arg verdrossen.
Wir fanden damit ab uns schließlich.
Jetzt stimmt es andrerseits verdrießlich,
daß nun, da wir's genug genossen,
im roten "Paradies" wir eingeschlossen.

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