Inzwischen war es uns zu dumm geworden,
dauernd ohne Geld zu sein, während die Kraftfahrer und Schlosser allerhand zu
Moneten machten, mindestens ihre handwerkliche Geschicklichkeit und
Arbeitskraft. Ernst P. unternahm das Wagnis, mit ein paar funkelnagelneuen
Klamotten, Schlosseranzügen u.ä. sich im Abenddämmer aus dem Lager zu
schleichen.
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Das Erlebnis (Lagerausflug auf Gantkofel und Penegal) fand zwar dichterisch keinen
Niederschlag. Dafür war ich noch nicht fruchtlos. Ich gestaltete eine
Chorfeier, indem ich mich mühte, für all die von uns gesungenen Lieder überleitende
Texte zu schaffen. Unter der Hauptüberschrift “Von deutscher Seele” deutete ich
die einzelnen Gesänge als Abbilder der deutschen Innigkeit, der Heimatliebe,
der Liebestreue und -freude und des Liebesleides und schließlich fand ich damit
hohes Lob, und die Vorbereitungen gingen mit neuem Schwung weiter.
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Ein Glanz- und Höhepunkt dieser Wochen war
ein großer Lagerausflug, also eine ganz seltene Angelegenheit für ein
Gefangenenlager, die wahrscheinlich nur durch die Generosität der Engländer
möglich wurde. Genug - am Sonntag, dem 7. Oktober wurde das ganze Lager auf
Lkw.‘s verladen, etwa fünf bis sieben große Wagen, und dann ging es in der
lauen südlichen Oktoberluft dem Mendelgebirge entgegen. Festlich brausten
unsere Wagen dahin, durch Girlan, durch Eppan, St. Pauls zu und weiter. Der
Wind pfiff und durch die Haare, und wir waren guter Dinge; denn soweit wir
schauten und suchten, es war keine Bewachungsmannschaft zu sehen.
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Ende September wurden die Ami-Wachen in
ganz Südtirol von den Tommys, den Engländern abgelöst. Wir bekamen eine ganz
feine Sorte von britischen Militärs: King’s Own Royal Regiment, “des Königs
eigenes königliches Regiment”! Also eine Art Leibgarde. Die braven Burschen
zeichneten sich durch ihr weißes Lederzeug aus, um das wir sie nicht gerade
beneideten, wenn wir an unseren eigenen Putz- und Flimmerstunden dachten.
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Das Ereignis des
Abziehens der Weiblichkeiten aus unserem Lager gab der Gerüchtemacherei neuen
Auftrieb. Aha, sagte das Lagergerücht, man will uns “verschaukeln”, wir wollen
zur Zwangsarbeit nach Frankreich - da sollen die “Weiber” nicht mit! - Es gab
also immer etwas zu ängstigen. Aber wie gesagt, ich verstand den “Gemütszustand
einzustellen”. Und als der Sonntag wieder nahte, mußte ich an unseren schönen
Montiggl-See denken, den uns die Wache wahrscheinlich wieder vermiesen würde.
So hielt ich mir seine Schönheiten vor und im Gedichte fest.
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Inzwischen nahte mein Geburtstag, der “sechste in Uniform”. Es sollte der stillste Geburtstag meines Lebens werden. Zwar konnte ich mir Paketen, ja selbst einer kärglichen Nachricht aus der Heimat keinesfalls rechnen. In diesem Sinne war meinen Geburtstagsgedanken ein tüchtiger Schuß Wehmut beigemischt. Immerhin hoffte ich doch wenigsten, ein Quantum Wein zu ergattern, um mit den Kameraden feiern zu können.
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In diesen Tagen erinnerte ich mich wieder einmal meines
kleinen ”Luginsland”, den frontbewährten Photoapparat, auf dem noch vier
Aufnahmen zu verknipsen waren. Die Weinberge, reifende Trauben in Großaufnahme,
die Lagerstraßen und die Aussichten hatten mir es besonders angetan.
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